24.09.2019, 06:54 Uhr

Mainz (AFP) Designierter neuer Verdi-Chef will Kopplung öffentlicher Aufträge an Tariftreue

Frank Werneke. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow)Frank Werneke. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow)

Frank Werneke: Politik der AfD richtet sich "krass" gegen Arbeitnehmerinteressen

Der designierte neue Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, hat von der Politik entschiedene Schritte zur Stärkung der Tarifbindung in der privaten Wirtschaft gefordert. Öffentliche Aufträge sollten nur noch an Firmen mit Tarifbindung vergeben werden, sagte Werneke am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Angesichts eines Gesamtvolumens an öffentlichen Aufträgen von 400 Milliarden Euro jährlich wäre dies "ein starkes Signal der Politik zur Stabilisierung der Tarifverträge".

Das Volumen der von Bund, Länder, Kommunen und andere öffentlichen Stellen vergebenen Aufträge entspreche damit 15 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, sagte Werneke. Seinen Angaben nach sind in Ostdeutschland lediglich noch 20 Prozent der Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft durch Tarifverträge geregelt. Die Entwicklung sei "dramatisch". Ein weiterer Faktor, um diesen Trend zu stoppen, seien Gewerkschaften, die "mächtig genug" seien, auf Firmen einzuwirken.

Werneke wird am Dienstag auf dem Verdi-Bundeskongress in Leipzig aller Voraussicht nach zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Frank Bsirske gewählt, der nicht wieder antritt. Werneke ist derzeit Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft, die rund 1,97 Millionen Mitglieder hat.

Werneke warnte Gewerkschaftsmitglieder auch vor einer Unterstützung der AfD. Die Partei verfolge eine Politik, die sich "krass gegen die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Rentnern und auch Erwerbslosen" richte. Das "Dilemma" sei, dass viele Wählern der AfD sich nicht mit deren Programmatik befassten. Hier sehe er auch eine Aufgabe von Verdi, noch stärker auf diese "Widersprüche" hinzuweisen.


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