21.09.2019, 16:53 Uhr

Washington (AFP) USA verstärken Streitkräfte am Golf nach Attacke auf Ölanlagen in Saudi-Arabien

Chef der Revolutionsgarden, Hossein Salami, in Teheran
. Quelle: AFP/ATTA KENARE (Foto: AFP/ATTA KENARE)Chef der Revolutionsgarden, Hossein Salami, in Teheran . Quelle: AFP/ATTA KENARE (Foto: AFP/ATTA KENARE)

Irans Revolutionsgarden drohen für Fall eines Angriffs mit massiver Vergeltung

Nach den Luftangriffen auf zwei saudiarabische Ölanlagen verstärken die USA ihre Streitkräfte in der Golfregion. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Mark Esper werden die Einheiten "defensiver Natur und vorrangig auf die Luft- und Raketenabwehr konzentriert" sein. Die iranischen Revolutionsgarden drohten am Samstag für den Fall eines Angriffs auf ihr Land mit massiver Vergeltung.

Pentagonchef Mark Esper erklärte am Freitag in Washington, die Truppen würden auf Bitten Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate entsandt, um weitere Eskalationen in der Region zu verhindern. US-Generalstabschef Joe Dunford sprach von einer "moderaten" Verstärkung, bei der es nicht um tausende Soldaten gehe. Eine genaue Zahl nannte er nicht.

Der Chef der mächtigen Revolutionsgarden, Hossein Salami, warnte die USA vor einem Angriff auf den Iran: "Wer auch immer möchte, dass sein Land zum Hauptschlachtfeld wird, nur zu." Auch eine "begrenzte Option" für einen Angriff gebe es nicht, da sein Land reagieren und nicht eher ruhen werde, bis der "Aggressor" zusammenbreche, sagte Salami in Teheran.

Ebenfalls am Samstag wies die iranische Regierung Berichte zurück, dass auf die Öl-Infrastruktur des Landes ein erfolgreicher Cyberangriff verübt worden sei. Westliche Medien hätten dies fälschlicherweise verbreitet, hieß es ohne Angaben zu den genauen Urhebern der angeblichen Berichte.

Am vergangenen Samstag waren Saudi-Arabiens Ölanlagen in Churais und Abkaik angegriffen worden, woraufhin die Ölproduktion einbrach und der Ölpreis anstieg. Zu den Luftangriffen bekannten sich die schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Jemen; die USA machen jedoch Teheran verantwortlich. Der Iran unterstützt die Huthis in ihrem Kampf gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition im Jemen. Eine Beteiligung an den Luftangriffen in Saudi-Arabien weist Teheran aber zurück.

Der saudiarabische Außen-Staatssekretär Adel al-Dschubeir sagte am Samstag vor Journalisten: "Wir sind sicher, dass der Angriff nicht aus dem Jemen erfolgte, sondern aus dem Norden." Nach der Prüfung der Vorfälle durch die UNO werde sein Land "angemessene Maßnahmen einleiten, um mit dieser Aggression umzugehen."

Seit dem einseitigen Rückzug Washingtons aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 haben sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran massiv verschärft. Neben der Entsendung weiterer Soldaten verkündete Washington am Freitag auch neue Sanktionen gegen die iranische Zentralbank.

Laut US-Finanzminister Steven Mnuchin sollen dadurch Geldflüsse in Milliardenhöhe an "terroristische" Gruppierungen unterbunden werden. Dabei handele es sich um die Al-Kuds-Brigaden - die im Ausland aktive Elitetruppe der iranischen Revolutionsgarden - sowie die libanesische Hisbollah-Miliz.

Revolutionsgarden-Chef Salami sprach bei der Einweihung einer neuen Ausstellung in Teherans Museum der Islamischen Revolution und Heiligen Verteidigung. Die Schau zeigt unter anderem eine US-Aufklärungsdrohne, die der Iran nach eigenen Angaben im Juni über der südiranischen Küstenprovinz Hormusgan abgeschossen hatte. Laut US-Streitkräften erfolgte der Abschuss hingegen in internationalem Luftraum.

Seit dem Vorfall im Juni wächst international die Sorge vor einer militärischen Konfrontation zwischen Washington und Teheran. Die Signale aus Washington sind jedoch widersprüchlich. Auch nach den Luftangriffen in Saudi-Arabien warnte Trump zunächst, die USA stünden "mit geladener Waffe" bereit, ruderte dann aber wieder zurück. Am Freitag sagte er dann, wahre "Stärke" gegenüber dem Iran werde durch "ein bisschen Zurückhaltung" gezeigt.

Überraschend verkündeten derweil die Huthi-Rebellen einen Stopp aller Angriffe auf Saudi-Arabien. Mit dieser Initiative solle der Versuch gestartet werden, den Kämpfen im Jemen nach fünf Jahren ein Ende zu bereiten, sagte der Präsident des obersten politischen Rats der Rebellen, Mehdi Maschat, am Freitagabend. Er hoffe, dass auf "diese Geste als Antwort eine noch größere Geste" Saudi-Arabiens folge, sowie auf "Frieden durch ernsthafte Verhandlungen mit dem Ziel, eine nationale Versöhnung zu erreichen".


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