20.09.2019, 15:47 Uhr

Sydney (AFP) Millionen Menschen treten weltweit in den Klimastreik


Aktionen rund um den Globus vor allem von Schülern und Studenten getragen

Rund um den Globus sind am Freitag Millionen Menschen dem Aufruf zu einem weltweiten Klimastreik gefolgt. Die Demonstrationen starteten auf kleinen Inseln im Pazifik und Australien, sie setzten sich dann über Asien, Afrika und Europa fort und sollten später Nord- und Südamerika erreichen. In Deutschland folgten nach Angaben der Veranstalter rund 1,4 Millionen Menschen dem Demo-Aufruf der Kampagne Friday for Future. Getragen wurden die weltweiten Aktionen vor allem von Schülern und Studenten.

Allein in Berlin forderten 270.000 Demonstranten ein stärkeres Engagement für den Klimaschutz, in Hamburg gingen 100.000 Menschen auf die Straße.

Insgesamt waren in Deutschland Versammlungen in fast 600 Städten angekündigt. Zu Protestzügen mit tausenden Teilnehmern und den entsprechenden Straßensperrungen und Verkehrsstörungen kam es in praktisch allen Städten von Dresden und Erfurt bis Dortmund und Kiel. Selbst in kleineren Orten wie Buxtehude in Niedersachsen oder Speyer in Rheinland-Pfalz protestieren laut Polizei jeweils rund tausend Menschen.

Der Startschuss für den weltweiten Klimastreik war bei Tagesanbruch an der Datumsgrenze im Pazifik gegeben worden. Auf den vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inseln Vanuatu, den Salomonen und Kiribati sangen Kinder "Wir sinken nicht, wir kämpfen".

In Australien traten mehr als 300.000 Kinder, Eltern und Unterstützer in den Klimastreik. In zahlreichen Städten gab es Demonstrationen. "Wir sind hier, um eine Botschaft an die Politiker zu senden und ihnen zu zeigen, dass es uns wirklich wichtig ist", sagte der 16-jährige Will Connor in Sydney. "Sonst werden wir keine Zukunft haben."

Weltweit waren mehr als 5000 Protestaktionen geplant. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die inzwischen als Stimme ihrer Generation gilt, hatte am Donnerstag noch einmal in einer Videobotschaft zur Teilnahme am Klimastreik aufgerufen und appelliert: "Alles zählt. Was Du tust, zählt." In der indonesischen Hauptstadt Jakarta hielten Schülerinnen Plakate mit dem Antlitz der 16-Jährigen in die Höhe.

"Wir sind die Zukunft und wir verdienen Besseres", sagte die zwölf Jahre alte Lilly Satidtanasarn in Bangkok. Sie gilt wegen ihrer Kampagne gegen Plastiktüten als "Thailands Greta". Die Erwachsenen "reden nur darüber, aber sie tun nichts", kritisierte Lilly. In Neu Delhi und Mumbai verließen indische Schulkinder ihre Klassenzimmer, um für mehr Klimaschutz zu streiken.

Auf den Philippinen, die nach Angaben von Experten besonders vom steigenden Meeresspiegel und von immer stärkeren Stürmen bedroht sind, demonstrierten tausende Menschen. Protestaktionen von Klimaschützern gab es auch in Hongkong, wo es in den vergangenen Monaten immer wieder Demonstrationen der Demokratiebewegung gegeben hatte.

Auf dem afrikanischen Kontinent schlossen sich Aktivisten in Kenias Hauptstadt Nairobi dem Klimastreik an. In Uganda versammelten sich hunderte Schulkinder am Stadtrand von Kampala, um von der Regierung mehr Engagement im Klimaschutz zu fordern.

Eine der größten Kundgebungen sollte in New York stattfinden, wo am Montag zahlreiche Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zu einem Klimagipfel der UNO erwartet werden. Rund 1,1 Millionen Schüler von 1800 New Yorker Schulen erhielten die Erlaubnis, für die Teilnahme an der Demonstration am Freitag dem Unterricht fernzubleiben. An der Kundgebung in New York wollte auch Thunberg teilnehmen. Am Samstag soll es bei den Vereinten Nationen in New York einen Jugend-Klimagipfel geben.

In Deutschland wurde die von Schülern und Studenten getragene Bewegung Fridays for Future erstmals in großem Stil von anderen Organisationen und Initiativen unterstützt. Darunter waren unter anderem die Gewerkschaften Verdi und IG Metall, die Evangelische Kirche sowie Kinderschutz-, Umwelt- und Hilfsorganisationen, Künstler sowie Eltern- und Großelternnetzwerke.


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