19.09.2019, 09:57 Uhr

Berlin (AFP) Prozess nach spektakulärem Überfall auf Geldtransporter in Berlin begonnen

Beschädigter Geldtransporter. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Bernd Von Jutrczenka)Beschädigter Geldtransporter. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Bernd Von Jutrczenka)

Männer mussten Millionenbeute nach rasanter Verfolgungsjagd zurücklassen

Schüsse im Berliner Berufsverkehr und eine Millionenbeute: Fast ein Jahr nach einem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter in Berlin müssen sich seit Donnerstag drei Männer vor Gericht verantworten. Die Hauptverdächtigen Suphi S. und Aiman S. sollen direkt an der Tat am 19. Oktober 2018 beteiligt gewesen sein. Dem dritten Angeklagten Abdallah T. wird Beihilfe im Vorfeld vorgeworfen, wie beim Prozessauftakt aus der Anklageverlesung hervorging.

Der Anklage zufolge keilten der 38-jährige S. und der 33-jährige S. den fahrenden Transporter im morgendlichen Berliner Berufsverkehr nahe dem Alexanderplatz mit drei Mittätern mit zwei Fahrzeugen ein und brachten ihn so zum Stehen. Einer der drei Mittäter soll untergetaucht sein, zwei sind noch unbekannt.

Die Täter hielten demnach die Insassen des Geldtransporters mit vollautomatischen Gewehren in Schach, die gepanzerte Hecktür des Wagens brachen sie auf. Insgesamt konnten die Täter dabei sieben Millionen Euro erbeuten. Die Polizei war jedoch außergewöhnlich schnell vor Ort, weil ein Funkwagen bei einem nahen anderen Einsatz war.

Daher brachen die Männer den Raub ab - eine rasante Verfolgungsjagd begann, bei welcher der 38-Jährige am Steuer eines Wagens gesessen haben und mehrere Unfälle verursacht haben soll. Einer der noch unbekannten Täter gab demnach aus dem Schiebedach des anderen Wagens Schüsse auf die Polizisten ab.

Der 38-Jährige soll den Fluchtwagen bei einem Unfall so schwer beschädigt haben, dass drei der Täter ihre Flucht zu Fuß fortsetzen und die Millionenbeute zurücklassen mussten. Die beiden mutmaßlich direkt an der Tat beteiligten S. und S. erklärten beim Prozessauftakt am Donnerstag, sie wollten sich vor Gericht vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der 33-jährige T. ließ dagegen eine Erklärung von seinem Verteidiger verlesen. Er räumte ein, für einen Auftraggeber Werkzeuge beschafft zu haben und sich um einen der Fluchtwagen gekümmert zu haben. T. bestritt allerdings vehement, von dem Tatplan gewusst zu haben.

Er gab an, er sei aufgrund der in Auftrag gegebenen Werkzeuge davon ausgegangen, dass ein Angriff auf Geldautomaten geplant gewesen sei. Erst als er Monate nach Beschaffung der Werkzeuge und des Autos am Tattag über Bekannte und Medien von dem Überfall auf den Transporter erfahren habe, sei ihm klar geworden, wofür das Auto eingesetzt worden sei.

Der 38-jährige S. und der 33-jährige T. wurden bereits Ende vergangenen Jahres festgenommen, der 33-jährige S. erst Ende Juli. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind mehr als 30 weitere Verhandlungstermine bis Ende Februar 2020 anberaumt.


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