17.09.2019, 11:13 Uhr

Berlin (AFP) Zwischenbilanz zeigt Nachbesserungs-Bedarf bei Integrationskursen für Zuwanderer

Geflüchtete in Würzburger. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Nicolas Armer (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Nicolas Armer)Geflüchtete in Würzburger. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Nicolas Armer (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Nicolas Armer)

Forscher sehen "vielschichtige Herausforderungen" vor allem bei Geflüchteten

Mit dem Besuch von Integrationskursen sollen Zuwanderer auf das Leben in Deutschland vorbereitet werden - eine Zwischenbilanz zeigt nun aber erheblichen Nachbesserungsbedarf: Lehrkräfte hätten in den Kursen vor allem bei Geflüchteten mit "vielschichtigen Herausforderungen" zu tun, heißt es in einer am Dienstag vorlegten Evaluierung des Flüchtlingsbundesamts Bamf. Zu den Problemen zählen demnach ein niedriges Bildungsniveau der Teilnehmer, psychische Belastungen durch Traumata und eine zu geringe Teilnahmequote von Frauen.

Die befragten Zuwanderer selbst schätzen ihre Kursteilnahme laut Untersuchung des Bamf-Forschungszentrums als erfolgreich ein: Aus der Gruppe der Geflüchteten hätten 61 Prozent angegeben, nach dem Kurs gute oder sehr gute Deutschkenntnisse zu haben. Bei den befragten Flüchtlingen ohne Kursteilnahme lag dieser Wert nur bei 17 Prozent.

Probleme zeigten sich der Untersuchung zufolge vor allem bei jenen Kursteilnehmern, die wegen fehlender Lese- und Schreibkenntnisse einen Alphabetisierungskurs besuchen müssen - und hier insbesondere bei Frauen. "Bei Teilnehmenden des Alphabetisierungskurses kommen häufig mehrere ungünstige Faktoren zusammen", erklärte Bamf-Forscherin Anna Tissot. "Obwohl wir schon wussten, dass geflüchtete Frauen über nachteilige Voraussetzungen verfügen, war das Ausmaß der Geschlechterunterschiede erstaunlich."

So brächten geflüchtete Frauen im Durchschnitt ein niedrigeres schulisches und berufliches Bildungsniveau mit. Sie hätten zudem ein höheres Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden. Zudem nähmen Frauen seltener an Kursen teil, wenn sie Kleinkinder betreuen müssen.

Die Lehrkräfte müssten anhand solcher Herausforderungen "noch stärkere Unterstützung erhalten, zum Beispiel auch Fortbildungen", forderte Tissot. In einem Pilotprojekt würden Lehrkräfte bereits im Bereich Trauma fortgebildet.

Unter den Kursteilnehmern zeigt sich der Untersuchung zufolge ein Gefälle: "Geflüchtete haben es deutlich schwerer als andere Teilnehmende, etwa Zugewanderte aus der Europäischen Union, da sie oft schlechtere Voraussetzungen bei Bildungsniveau und Alphabetisierungsgrad mitbringen", heißt es in einer Erklärung des Bundesinnenministeriums.

In den vergangenen Jahren habe der Anteil der Geflüchteten an den Kursteilnehmern zugenommen. Ergebnis sei ein "geringerer Lernfortschritt" und ein "hoher Beratungsbedarf" der Teilnehmenden.

Mit der veränderten Teilnehmendenstruktur hat sich nach Angaben des Innenministeriums insbesondere der Anteil an Alphabetisierungskursen seit 2015 erheblich erhöht. Im Jahr 2018 hätten mehr als 200.000 Menschen erstmalig einen der rund 14.500 neu gestarteten Integrationskurse besucht. Der Großteil von ihnen - rund 68 Prozent - besuchte einen Allgemeinen Integrationskurs. Auf Platz zwei gemessen an der Teilnehmerzahl folgten die Besucher der Alphabetisierungskurse mit 22 Prozent.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hob vor allem den Erfolg der Kurse bei der Sprachvermittlung hervor. "Eine gelungene Integration ist ohne Sprachkenntnisse unmöglich", erklärte er. Die Integrationskurse trügen "wesentlich dazu bei, die Deutschkenntnisse der Teilnehmenden zu verbessern".

Der Integrationskurs ist ein staatliches Grundangebot der sprachlichen und politischen Bildung für Zugewanderte und steht am Beginn des gesamten Integrationsprozesses. Er dient dazu, die Zugewanderten dazu zu befähigen, ohne die Hilfe oder Vermittlung Dritter in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens selbstständig zu handeln.


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