17.09.2019, 10:04 Uhr

Brüssel (AFP) EU-Wettbewerbshüter geben Übernahme von Innogy durch Eon frei

Eon-Zentrale in Essen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd (Foto: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd)Eon-Zentrale in Essen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd (Foto: dpa/AFP/Archiv/Rolf Vennenbernd)

Brüssel hat nach einer Reihe von Zusagen keine Bedenken mehr

Die Europäische Union hat die Übernahme der RWE-Ökostromtochter Innogy durch den Energiekonzern Eon genehmigt. Eine Reihe von Zusagen durch Eon stelle sicher, dass der Zusammenschluss in den betroffenen Ländern "nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird", erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Dienstag in Brüssel. Eon und RWE begrüßten die Entscheidung; Kritik an der künftigen Marktmacht kam vom Anbieter Lichtblick.

Eon und RWE hatten im März 2018 Pläne für ihre Neuausrichtung auf dem deutschen Energiemarkt bekanntgegeben. Durch sie soll Eon in erster Linie zum Strom- und Gaslieferanten werden und RWE vor allem zum Stromproduzenten und Großhändler.

Die EU-Kommission hatte zunächst Bedenken wegen der Übernahme von Innogy geäußert. Diese betrafen unter anderem den deutschen Markt für die Lieferung von Heizstrom und Autobahn-Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Auch im Gas- und Stromgeschäft in Tschechien und bei der Lieferung von Strom an Firmen in Ungarn sahen die Brüsseler Wettbewerbshüter zunächst mögliche Probleme.

Eon sagte daraufhin zu, seine Verträge mit den meisten Heizstromkunden in Deutschland zu verkaufen sowie den Betrieb von 34 Ladestationen für E-Fahrzeuge auf Autobahnen einzustellen, die nun von anderen Anbietern übernommen werden. Zudem sagte der Konzern den Verkauf seines Geschäfts im nicht regulierten Einzelhandel mit Strom und des Bereichs Strom- und Gaseinzelhandel in Tschechien zu.

Die Kommission erklärte, bei Umsetzung dieser Zusagen gebe es "keinen Anlass mehr zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken". Im Februar hatte die Behörde bereits die Übernahme von Teilen des Eon-Konzerns zur Erzeugung von Öko- und Atomstrom durch RWE genehmigt. Eon hatte im August die Hoffnung geäußert, dass die Übernahme im September abgeschlossen werden könne.

Der Essener Konzern erklärte nach der Freigabe durch Brüssel, er werde nun "zügig die Integration von Innogy in den Konzern vollziehen". Nach Vollzug der Übernahme von Innogy werde der Eon-Aufsichtsrat auf 20 Mitglieder vergrößert. Zugleich werde der Geschäftsbereich erneuerbare Energien von Eon bereits "bis Ende September auf RWE übergehen".

Ab 2022 erhofft sich Eon jährlich Synergieeffekte von 600 bis 800 Millionen Euro. Um diese zu erreichen, hält der Konzern auch an seinem Plan fest, 5000 Stellen zu streichen - das entspreche unter sieben Prozent der Arbeitsplätze, betonte das Unternehmen.

RWE erklärte, die Freigabe der Transaktion durch Brüssel mache den Energiekonzern zu einem "global führenden Unternehmen" im Bereich der erneuerbaren Energien. Der Tausch von Unternehmenswerten mit einem Gesamtwert von 40 Milliarden Euro werde die "Energiewende maßgeblich voranbringen".

Der Ökostrom-Anbieter Lichtblick kritisierte das Tauschgeschäft und sprach von einer nie dagewesenen "Machtkonzentration im deutschen Energiemarkt". Der Zusammenschluss der zwei größten deutschen Energiekonzerne sei eine weitere Zäsur für den deutschen Energiemarkt - zahlen müssten letztlich die Verbraucher und der Industriestandort Deutschland. Die Auflagen seitens der EU seien "geradezu lächerlich", monierte Lichtblick.


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