16.09.2019, 16:17 Uhr

Riad (AFP) Militärkoalition: Waffen für Angriffe in Saudi-Arabien stammten aus dem Iran

Aramco-Ölanlage in der Nähe von Riad. Quelle: AFP/FAYEZ NURELDINE (Foto: AFP/FAYEZ NURELDINE)Aramco-Ölanlage in der Nähe von Riad. Quelle: AFP/FAYEZ NURELDINE (Foto: AFP/FAYEZ NURELDINE)

Trump droht mit Vergeltung - Huthis drohen mit neuen Angriffen

Bei den Angriffen auf zwei Öl-Anlagen in Saudi-Arabien sind nach Angaben der im Jemen kämpfenden Militärkoalition Waffen aus dem Iran eingesetzt worden. Alles deute darauf hin, dass die Waffen "aus dem Iran stammten", sagte ein Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition am Montag. Die Huthi-Rebellen, die sich zu den Angriffen bekannt hatten, drohten mit neuen Attacken. US-Präsident Donald Trump drohte mit militärischer Vergeltung.

Nach ersten Ermittlungen werde nun untersucht, von wo aus die Waffen abgefeuert wurden, sagte der Koalitionssprecher Turki al-Maliki in Riad. "Die Angriffe gingen nicht von jemenitischem Gebiet aus, wie es die Huthis behauptet haben." Die Huthis seien "ein Instrument" in der Hand der iranischen Revolutionsgarden.

Die beiden Anlagen des saudiarabischen Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten des Königreichs waren am Samstag attackiert worden. Nach Informationen der "New York Times" wurden die Angriffe vom Norden oder Nordwesten aus verübt. Dies gehe nach Erkenntnissen der US-Regierung aus Satellitenaufnahmen hervor, berichtete die Zeitung. Demnach wurden die Ölanlagen vom nördlichen Persischen Golf aus angegriffen, also eher aus dem Iran oder Irak als aus dem Jemen.

Die US-Regierung hatte bereits am Sonntag den Iran verantwortlich gemacht. "Der Iran hat einen beispiellosen Angriff auf die globale Energieversorgung verübt", erklärte US-Außenminister Mike Pompeo. Trump twitterte: "Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen." Die USA stünden nun mit "geladener" Waffe bereit.

Teheran wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Sie seien "unsinnig" und "unverständlich", sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Die Huthi-Rebellen drohten am Montag mit weiteren Angriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien. Die saudiarabische Führung müsse damit rechnen, dass die Huthis mit ihrem "langen Arm" jeden beliebigen Ort "zu jedem Zeitpunkt" erreichen könnten, erklärte ihr Sprecher Jahja Sari. Ausländer sollten sich nicht in den Anlagen aufhalten, "weil sie weiter in unserer Reichweite sind und erneut ins Visier genommen werden könnten".

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die Angriffe in Saudi-Arabien. Sie seien "durch nichts zu rechtfertigen" und erhöhten die Gefahr, dass die Situation "weiter eskaliert", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin. Die Lage sei "besorgniserregend". "Wir analysieren mit Partnern und mit der notwendigen Besonnenheit, wer verantwortlich ist", fügte Maas hinzu.

Die Europäische Union forderte "größtmögliche Zurückhaltung". Die Angriffe seien "eine echte Bedrohung für die regionale Sicherheit". Es sei wichtig, "die Fakten eindeutig zu klären und festzustellen, wer für diesen Angriff verantwortlich ist", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Russland warnte die USA und alle anderen Länder vor "voreiligen Schlüssen" zur Urheberschaft der Angriffe. China rief die USA und den Iran auf, sich "in Zurückhaltung zu üben", um die Stabilität in der Region zu bewahren.

Der Ölpreis war nach den Angriffen auf die Öl-Anlagen von Aramco so stark in die Höhe geschnellt wie seit dem Golfkrieg Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Die Attacken führten außerdem zu einem Einbruch der Ölproduktion des Konzerns um die Hälfte.


0 Kommentare