13.09.2019, 05:33 Uhr

Washington (AFP) Biden tritt in dritter Debatte kampfeslustig auf

Die US-Präsidentschaftsbewerber Sanders, Biden und Warren (von l. nach r.). Quelle: AFP/Robyn BECK (Foto: AFP/Robyn BECK)Die US-Präsidentschaftsbewerber Sanders, Biden und Warren (von l. nach r.). Quelle: AFP/Robyn BECK (Foto: AFP/Robyn BECK)

Attacken auf Konkurrenten Sanders und Warren im Streit um Gesundheitsreform

Der im internen Rennen der US-Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur führende Bewerber Joe Biden ist in der dritten TV-Debatte der Oppositionspartei von mehreren seiner Konkurrenten hart attackiert worden. Dabei ging es am Donnerstag (Ortszeit) unter anderem um seine einstige Unterstützung für die US-Invasion im Irak 2003 und seine Pläne für das Gesundheitswesen. Der Ex-Vizepräsident trat aber deutlich kämpferischer auf als in den ersten beiden Debatten und sparte selbst nicht mit Attacken.

Zum hitzigsten Moment in der knapp dreistündigen Debatte von zehn Präsidentschaftsbewerbern im texanischen Houston kam es während eines Streits zwischen Biden und dem früheren Wohnungsbauminister Julian Castro über die Reform des US-Gesundheitssystems. Castro hielt Biden erregt entgegen, sich in der Darstellung seiner Pläne selbst zu widersprechen: "Vergessen Sie schon, was Sie gerade erst vor zwei Minuten gesagt haben?" kritisierte der Ex-Minister.

Castros Bemerkung wurde allgemein als Anspielung auf das fortgeschrittene Alter des 76-jährigen Ex-Vizepräsidenten und dessen mentalen Zustand verstanden. Biden hatte über den Sommer hinweg mit einer ganzen Serie von verbalen Ausrutschern und wirr anmutenden Äußerungen für Aufsehen gesorgt. Dies hatte die Debatte darüber befeuert, ob er für das Rennen gegen Präsident Donald Trump körperlich und geistig fit genug ist.

Castros Angriff auf Biden ging allerdings nach hinten los. Es gab Buhrufe aus dem Publikum für den Ex-Minister und Schelte anderer Debatten-Teilnehmer. Die Senatorin Amy Klobuchar sagte anschließend im Sender CNN, dieser Angriff sei "nicht cool" gewesen, weil er "so persönlich" gewesen sei.

Biden wiederum feuerte seine heftigsten Angriffe ab, als er sich mit den Gesundheitsreformplänen der Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren auseinandersetzte. Er warf den beiden Vertretern des linken Parteiflügels vor, die Finanzierungsfrage offen zu lassen: "Wie werden wir das bezahlen?" rief Biden aus.

Sanders und Warren wollen die staatliche Krankenversicherung Medicare deutlich ausweiten und zum Gesundheitsschutz für alle US-Bürger machen. Biden plädiert dagegen für eine vorsichtigere Fortentwicklung von "Obamacare", also der Gesundheitsreform von Ex-Präsident Barack Obama. Das Obama-System räumt Privatversicherern relativ breiten Raum ein.

Warren entgegnete auf Bidens Kritik, sie wolle ihre Gesundheitsreform durch eine stärkere Belastung von Konzernen und der reichsten Bürger gegenfinanzieren. Auch der Ex-Kongressabgeordnete Beto O'Rourke schaltete sich in diesen Streit ein und bemängelte, dass Bidens Plan Millionen von Bürgern ohne Krankenversicherungsschutz lassen würde.

Beim Thema Gesundheitsreform zeigte sich während der Debatte besonders scharf der grundsätzliche Richtungsstreit bei den Demokraten. Biden ist ein Mann der politischen Mitte und setzt darauf, größere Stimmenanteile unter früheren Trump-Wählern abfischen zu können. Sanders und Warren stehen dagegen für einen deutlichen Schwenk der Partei nach Links.

Dass Biden seit Monaten in den Umfragen im demokratischen Bewerberfeld deutlich vorn liegt, hängt auch damit zusammen, dass sich Sanders und Warren die Stimmen linker Parteianhänger gegenseitig streitig machen. Allerdings war Bidens Vorsprung in den Umfragen vor der dritten Debatte etwas geschmolzen. Vor allem Warren hatte über den Sommer einen guten Lauf und legte in den Umfragen deutlich zu.

Im außenpolitischen Teil der Debatte wurden die Differenzen zwischen den drei führenden Bewerbern weniger deutlich. So plädierten Biden und Warren übereinstimmend für einen US-Truppenabzug aus Afghanistan. Sanders ging nicht näher auf den dortigen Militäreinsatz ein, sondern beschäftigte sich mit der Vergangenheit: Er attackierte Biden dafür, dass dieser einst als Senator zugunsten der Invasion im Irak votiert hatte.


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