10.09.2019, 12:09 Uhr

Schwerin (AFP) Schwesig legt wegen Krebserkrankung kommissarischen SPD-Vorsitz nieder

Manuela Schwesig. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner)Manuela Schwesig. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner)

45-Jährige bleibt aber Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern

Weil sie an Brustkrebs erkrankt ist, zieht sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig aus ihren Ämtern in der Bundes-SPD zurück. Sie bleibe jedoch Regierungschefin in ihrem Bundesland, teilte die 45-Jährige am Dienstag mit. Damit führen nun die beiden anderen kommissarischen Vorsitzenden Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel die SPD. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte Schwesig Kraft für die anstehende Krebsbehandlung.

Schwesig war bislang stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD und hatte im Juni nach dem Rückzug von Andrea Nahles gemeinsam mit ihren Vize-Kollegen Dreyer und Schäfer-Gümbel die kommissarische Führung übernommen. Sie ist seit Juli 2017 Regierungschefin in Mecklenburg-Vorpommern und übernahm das Amt von ihrem Parteikollegen Erwin Sellering, nachdem dieser ebenfalls an Krebs erkrankt war.

Anfangs habe die Diagnose Brustkrebs sie und ihre Familie "schwer getroffen", sagte Schwesig am Dienstag in Schwerin. Die gute Nachricht für sie sei, dass die Krankheit bei ihr heilbar sei. "Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und ich werde auch diesen Kampf führen", sagte Schwesig. Die Politikerin ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Für die Behandlung müsse sie "für einen gewissen Zeitraum" ihren Arbeitsumfang reduzieren, kündigte Schwesig an. Die Therapie könne "überwiegend ambulant" vorgenommen werden. Viele an Brustkrebs erkrankte Frauen hätten gezeigt, dass Beruf und Therapie vereinbar seien.

Schwesig bedankte sich für die Anteilnahme, die ihr aus allen politischen Richtungen übermittelt worden sei. Das mache ihr Mut. Bei der in Mecklenburg-Vorpommern mitregierenden CDU wurde die Nachricht über die Erkrankung Schwesigs "mit Bestürzung" aufgenommen. Der CDU-Landesvorsitzende Vincent Kokert wünschte Schwesig und ihrer Familie "im Kampf gegen den Krebs viel Kraft, alles erdenklich Gute und Gottes Segen".

Bundeskanzlerin Merkel reagierte ebenfalls betroffen. "Ich habe mit ihr telefoniert und ihr von Herzen gewünscht, dass sie wieder ganz gesund wird, dazu Kraft und Zuversicht in dieser schwierigen Zeit", erklärte Merkel über ihren Sprecher Steffen Seibert.

Dreyer sagte in Mainz, Schäfer-Gümbel und sie seien "sehr erschüttert" von der Diagnose. Es sei "schlimm", dass Schwesig mit dieser Krankheit konfrontiert sei. Zugleich gebe es "großes Verständnis dafür, dass sie jetzt ihre Prioritäten setzen muss".

Für die SPD bedeutet Schwesigs Entscheidung, dass die Partei ab Oktober von Dreyer alleine geführt wird. Denn Schäfer-Gümbel wechselt - wie schon seit Monaten geplant - am 1. Oktober zur Gesellschaft für Internationalen Zusammenarbeit (GIZ). "Die Parteiführung wird nicht erschüttert", sagte Dreyer in Mainz. Schäfer-Gümbel werde sie nach seinem Wechsel "ehrenamtlich" unterstützen.

Schäfer-Gümbel wies darauf hin, dass Anfang Dezember auf dem Bundesparteitag die neue SPD-Führung gewählt werden. Die kommissarische Parteiführung habe "die nötigen Fundamente gelegt", damit die Partei bis dahin stabil bleibe. Für Schwesigs Entscheidung, sich nach ihrer Krebsdiagnose aus der Bundesspitze zurückzuziehen, äußerten Schäfer-Gümbel und Dreyer Verständnis.

Derzeit stellen sich die Kandidaten für den SPD-Vorsitz auf 23 Regionalkonferenzen der Basis vor. Anschließend folgt eine Mitgliederbefragung und voraussichtlich auch eine Stichwahl. Formal wird die neue Spitze auf dem Parteitag vom 6. bis 8. Dezember gewählt.


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