09.09.2019, 14:01 Uhr

Berlin (AFP) Koalition will Meisterpflicht für Handwerker wie Fliesenleger wieder einführen

Ein Fliesenleger bei der Arbeit. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender)Ein Fliesenleger bei der Arbeit. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender (Foto: dpa/AFP/Archiv/Ina Fassbender)

Handwerkspräsident sieht "starkes Signal für Qualität und Qualifikation"

Für Handwerker wie Fliesen- oder Estrichleger, Drechsler und Rollladentechniker soll künftig wieder die Meisterpflicht gelten. Die große Koalition einigte sich auf eine entsprechende Änderung der Handwerksordnung, wie Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) SPD-Fraktionsvize Sören Bartol am Montag gemeinsam mitteilten. "Wir sind davon überzeugt, dass der Meisterbrief im deutschen Handwerk die beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft liefert", erklärten sie.

Mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen werde ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrags umgesetzt, fügten Linnemann und Bartol hinzu. Das Ziel sei "mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung".

Bei der jüngsten Handwerksreform 2004 war in gut 50 Berufen die Meisterpflicht aufgehoben worden. Konkret vorgesehen ist nun, dass sie in insgesamt zwölf Handwerksberufen wieder eingeführt wird: Für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, für Betonstein- und Terrazzohersteller, für Estrichleger, für Behälter- und Apparatebauer, für Parkettleger, für Rollladen- und Sonnenschutztechniker, für Drechsler und Holzspielzeugmacher, für Böttcher, für Glasveredler, für Schilder- und Lichtreklamehersteller, für Raumausstatter sowie für Orgel- und Harmoniumbauer.

In Kraft treten soll die Änderung nach Angaben der beiden Vizefraktionschefs "Anfang 2020". Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen demnach auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und erhalten Bestandsschutz.

Entscheidend für die Einführung ist nach Angaben Linnemanns und Bartols, ob es sich um "gefahrgeneigte Handwerke" handelt, deren unsachgemäße Ausübung eine Gefahr für Leben und Gesundheit bedeutet. Außerdem sollten solche Handwerke berücksichtigt werden, die etwa als immaterielles Kulturgut anzusehen seien. Nach fünf Jahren soll es eine Überprüfung und Bewertung der Neuregelung geben.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer reagierte erfreut: Die Ankündigung von Union und SPD sei "ein starkes Signal für Qualität und Qualifikation im Handwerk", erklärte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Seit der Novelle 2004 sei es in einigen Gewerken "besonders augenfällig" zu Fehlentwicklungen gekommen - "weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, weniger Qualität, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz", beklagte Wollseifer. "Daher ist es gut, dass diese Fehlentwicklungen jetzt korrigiert werden sollen."

Auch das Baugewerbe begrüßte die Ankündigung, vor allem in Bezug auf die Bauberufe wie Fliesen-, Estrich- oder Parkettleger. "Gerade im Baubereich kommt es auf die Verlässlichkeit der ausführenden Unternehmen im Hinblick auf Sicherheit und Verbraucherschutz an", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa. "Das war bei den meisterfreien Gewerken in großen Teilen nicht mehr der Fall", kritisierte er.

Die Grünen-Bundestagsfraktion mahnte indes, wer das Handwerk und den Meisterbrief wirklich stärken wolle, müsse sich für die Förderung von qualitativ hochwertiger Aus- und Weiterbildung einsetzen. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht werde "nicht automatisch dazu führen, dass die Engpässe im Handwerk behoben werden", erklärte die Mittelstandsbeauftragte Claudia Müller.


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