08.09.2019, 12:06 Uhr

Berlin (AFP) Überraschende Bewerbung: Özdemir und Kappert-Gonther wollen Grünen-Fraktionsvorsitz

Kappert-Gonther (l), und Özdemir (Grüne) . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Michael Kappeler (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Michael Kappeler)Kappert-Gonther (l), und Özdemir (Grüne) . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Michael Kappeler (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Michael Kappeler)

Ex-Parteichef und Abgeordnete fordern Göring-Eckardt und Hofreiter heraus

Überraschung bei den Grünen: Ex-Parteichef Cem Özdemir bewirbt sich gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther um den Fraktionsvorsitz. "Wir sind überzeugt davon, dass ein fairer Wettbewerb der Fraktion gut tut - nach außen und nach innen", heißt es in dem Bewerbungsschreiben, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Das Duo fordert damit die amtierenden Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter bei der Wahl am 24. September heraus.

Özdemir und Kappert-Gonther schrieben an die Grünen-Bundestagsfraktion, die Hoffnungen für einen politischen Aufbruch lägen "zu Recht maßgeblich bei uns Grünen" - daher trage die Fraktion auch eine "sehr hohe Verantwortung", die das Kandidatenduo "mit Euch zusammen" annehmen wolle.

"Nie stand die Klimakrise spürbarer im Fokus, nie wurde der Wunsch nach Veränderungen mit starken grünen Akteur*innen deutlicher gesellschaftlich formuliert als jetzt", heißt es weiter. Damit verbinde sich für die Grünen eine "entscheidende Verantwortung". Es gehe nun bis zur nächsten Bundestagswahl darum, "mit neuem Schwung der Gegenpol einer schwachen Regierung" zu sein und "mit Mut und Empathie auszubuchstabieren, was konstruktive und progressive Politik bedeutet".

Ausdrücklich stellten Özdemir und Kappert-Gonther nicht die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck infrage. "Wir streben keine Spitzenkandidatur im nächsten Bundestagswahlkampf an", betonten sie. Es gehe ihnen um die "beste Aufstellung als Fraktion". Offiziell gibt es noch keine Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, doch dürften das Baerbock und Habeck übernehmen.

Zugleich betonte das neue Bewerber-Team, die Grünen seien die Partei, die "am klarsten den rassistischen, antifeministischen und antisemitischen Abgeordneten am rechten Rand entgegentreten". Die Verantwortung in dieser Auseinandersetzung müssten die Grünen "mit voller Kraft in der Herzkammer unserer Demokratie", im Bundestag, angehen. Zunächst hatte "Spiegel Online" über die Bewerbung von Özdemir und Kappert-Gonther berichtet.

Meist besteht die Grünen-Fraktionsspitze aus Vertretern beider Flügel der Partei, also Linke und "Realos". Der 53-jährige Özdemir gilt als "Realo", die ein Jahr jüngere Kappert-Gonther als Parteilinke. Bei der jetzigen Fraktionsführung vertritt die 53 Jahre alte Göring-Eckardt den "Realo"-Flügel, der 49-jährige Hofreiter die Linke. Die beiden führen die Fraktion der Grünen im Bundestag bereits seit knapp sechs Jahren an und wollen bei der bevorstehenden Wahl erneut antreten.

Hofreiter und Göring-Eckardt hoben in einer ersten Reaktion hervor, sie wollten ihre Arbeit an der Fraktionsspitze fortführen. "Toni und ich führen die Fraktion zusammen aus der Mitte heraus. Dieser Kurs hat sich für Fraktion wie Partei bewährt und hat dazu geführt, dass wir als die führende Kraft der Opposition wahrgenommen werden", erklärte Göring-Eckardt. "Das will ich gerne fortsetzen." Mit Blick auf die Mitbewerber fügte sie hinzu: "Auswahl ist immer gut."

Hofreiter betonte ebenfalls, "Demokratie lebt und profitiert von unterschiedlichen Angeboten und der Möglichkeit zur Auswahl". "Katrin und ich haben die Fraktion immer mit einem Blick für den Zusammenhalt und den Ausgleich geführt. Darauf kommt es auch gerade in unsicheren politischen Zeiten an." Auch Hofreiter warb um seine Wiederwahl: Er wolle die Grünen und die Fraktion weiterhin als Oppositionsführer und "Kraft ökologischer und sozialer Veränderung profilieren".

Özdemir war bis Januar 2018 Bundesvorsitzender der Grünen und hatte seine Partei als Spitzenkandidat an der Seite von Göring-Eckardt in die Bundestagswahl 2017 geführt. Derzeit ist er Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages. Kappert-Gonther ist Sprecherin der Grünen-Fraktion für Drogenpolitik und Gesundheitsförderung. Nach ihrer Tätigkeit als Ärztin war sie 2011 in die Bremische Bürgerschaft eingezogen, seit 2017 sitzt sie im Bundestag. Dort ist die 52-Jährige Grünen-Obfrau im Gesundheitsausschuss.


0 Kommentare