08.09.2019, 09:40 Uhr

Venedig (AFP) "Joker" gewinnt Goldenen Löwen beim Film-Festival von Venedig

"Joker"-Regisseur Todd Philips mit Hauptdarsteller Phoenix. Quelle: AFP/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Alberto PIZZOLI)"Joker"-Regisseur Todd Philips mit Hauptdarsteller Phoenix. Quelle: AFP/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Alberto PIZZOLI)

Polanski-Film zur Dreyfus-Affäre erhält Großen Preis der Jury

Mit zwei ungewöhnlichen Entscheidungen sind die Filmfestspiele in Venedig zu Ende gegangen: Mit dem Goldenen Löwen wurde am Samstagabend der Hollywood-Film "Joker" ausgezeichnet, während der Große Preis der Jury an Roman Polanskis Polit-Thriller "An Officer and a Spy" über den Skandal um den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus ging. Um die Teilnahme des Polanski-Films an dem Festival hatte es zuvor eine Kontroverse gegeben.

Die Comicadaption "Joker" gilt als Publikumsliebling, Kritiker priesen den Film vor allem wegen seines Hauptdarstellers Joaquin Phoenix: Diesem sei es gelungen, die Wandlung eines labilen und frustrierten Außenseiters zum Horrorclown und schließlich zum Gegenspieler von "Batman" facettenreich und glaubwürdig darzustellen. Es war das erste Mal, dass eine "Superhelden"-Produktion aus Hollywood in Venedig als bester Film ausgezeichnet wurde.

Umstritten war vor allem die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals für Polanskis Film. Der in Frankreich lebende Starregisseur und Holocaust-Überlebende wird in den USA seit Jahrzehnten wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen polizeilich gesucht. Im Jahr 1977 hatte er Sex mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer, ein Jahr später floh er aus den USA.

Die US-Filmakademie hatte Polanski wegen des Falls im vergangenen Jahr ausgeschlossen, Venedigs Jury-Präsidentin Lucrecia Martel boykottierte ein Gala-Dinner für Polanski. Der 86-Jährige selbst blieb dem Festival fern. An seiner Stelle nahm seine Frau, die französische Schauspielerin Emmanuelle Seigner, den Preis entgegen. Im Saal waren vereinzelt Buh-Rufe zu hören.

Seigner, die ebenfalls in "An Officer and a Spy" mitspielt, sagte später Journalisten, der Film sei für ihren Mann "sehr wichtig" gewesen. Kritiker warfen Polanski hingegen vor, "schamlos" Parallelen zwischen seinem und dem Schicksal von Dreyfus zu ziehen. Der jüdische Offizier Alfred Dreyfus war Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt worden, was als Dreyfus-Affäre in die Geschichte einging.

Als bester Schauspieler wurde am Samstag der Italiener Luca Marinelli für seine Rolle in "Martin Eden" ausgezeichnet. Den Preis für die beste Schauspielerin erhielt die Französin Ariane Ascaride für "Gloria Mundi".

Marinelli widmete seinen Preis den Lebensrettern auf dem Meer, Ascaride den Flüchtlingen, "die für immer auf dem Boden des Mittelmeeres" bleiben. Bereits zuvor hatte Donald Sutherland als Star des Abschlussfilms "The Burnt Orange Heresy" die Journalisten aufgerufen, sich für die Anliegen der Migranten einzusetzen. Sutherlands Co-Star Mick Jagger kritisierte US-Präsident Donald Trump für dessen grobes Verhalten, Lügen und Umweltpolitik.

Wenige Stunden vor der Bekanntgabe der Gewinner hatten mehr als 300 Klimaaktivisten den roten Teppich vor dem Filmpalast in Venedig besetzt. Mit der Aktion am Samstagmorgen protestierten die Anhänger des "Klima-Camps von Venedig" gegen den unzureichenden Kampf gegen den Klimawandel. Ihnen schlossen sich Dutzende Demonstranten an, die seit Jahren gegen die Präsenz großer Kreuzfahrtschiffe in der Lagunenstadt kämpfen.


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