08.09.2019, 11:57 Uhr

Teheran (AFP) Iran zieht sich mit verstärkter Urananreicherung weiter aus Atomabkommen zurück

Archivfoto der iranischen Atomanlage Buschehr von 2009. Quelle: AFP/Archiv/Behrouz MEHRI (Foto: AFP/Archiv/Behrouz MEHRI)Archivfoto der iranischen Atomanlage Buschehr von 2009. Quelle: AFP/Archiv/Behrouz MEHRI (Foto: AFP/Archiv/Behrouz MEHRI)

Teheran will aber weiter mit Internationaler Atomenergiebehörde zusammenarbeiten

Mit der Inbetriebnahme von leistungsstärkeren Zentrifugen zur Urananreicherung hat sich der Iran weiter aus dem internationalen Atomabkommen von 2015 zurückgezogen. 20 Zentrifugen vom Typ IR-4 und 20 weitere vom Typ IR-6 seien eingeschaltet worden, sagte der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi, am Samstag in Teheran. Am Sonntag führte der Übergangschef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Cornel Feruta, Gespräche in Teheran.

Die Inbetriebnahme leistungsstärkerer Zentrifugen ist bereits die dritte Stufe Teherans bei der schrittweisen Verletzung seiner Verpflichtungen aus dem Atomabkommen. Am 1. Juli teilte die iranische Führung mit, dass sie das Maximum von 300 Kilogramm bei der Lagerung von Uran überschreite. Eine Woche später wurde die Höchstgrenze bei der Anreicherung des Urans von 3,67 Prozent verletzt. Der Iran will aber weiter die internationale Überwachung seiner Atomanlagen zulassen.

Mit dem schrittweisen Rückzug aus dem Atomabkommen reagiert der Iran auf den einseitigen Ausstieg der USA im Mai 2018. Teheran will so den Druck auf die Europäer erhöhen, mehr zur Aufrechterhaltung des Handels zu tun und somit die US-Sanktionen gegen den Iran abzufedern. Die Islamische Republik versichert, die bisherigen Schritte seien umkehrbar und kein Hindernis für weitere Verhandlungen.

Das Atomabkommen schränkt die Entwicklung neuer, leistungsstärkerer Zentrifugen zur Urananreicherung ein. Es sieht lediglich den Einsatz von Zentrifugen der ersten Generation (IR-1) vor.

Kamalwandi beteuerte jedoch, sein Land werde der IAEA weiterhin transparent über seine Atom-Aktivitäten Bericht erstatten. IAEA-Inspekteure bekämen im selben Maße Zugang zu den iranischen Atomanlagen wie bisher.

Dies wollte IAEA-Interimschef Feruta am Sonntag selbst einschätzen. Bei seinem Besuch in Teheran führte er laut iranischem Staatsfernsehen Gespräche mit dem Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und dem Sekretär von Irans Oberstem Nationalen Sicherheitsrat, Ali Schamchani. Bei der Quartalssitzung des IAEA-Gouverneursrats am Montag wollte Feruta über seine Iran-Reise Bericht erstatten.

Salehi sagte bei seinem Treffen mit Feruta, die EU habe eigentlich die USA in dem internationalen Atomabkommen ersetzen wollen, aber ihre Versprechen nicht eingehalten. Der Iran ziehe nun die Konsequenzen daraus, dass sich das Abkommen zu einer "Einbahnstraße" entwickelt habe,

Das britische Außenministerium zeigte sich vom angekündigten Einsatz der neuen Zentrifugen durch Teheran "ausgesprochen enttäuscht". US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte bei einem Besuch in Paris, er sei von der Ankündigung "nicht überrascht".

Seine französische Kollegin Florence Parly kündigte an, Paris werde weiter "alle diplomatischen Bemühungen" unternehmen, um eine Einhaltung des Abkommens von 2015 zu erreichen. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte in einem Interview: "Die Kanäle für einen Dialog sind weiterhin offen, auch heute."

In der Straße von Hormus beschlagnahmte der Iran am Samstag einen "ausländischen Schlepper". Bei dem Einsatz seien zwölf Philippiner festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf die Küstenwache in der Provinz Hormosgan.

Der Schlepper "schmuggelte" demnach gut 280.000 Liter Erdöl. Es wurde nicht mitgeteilt, unter welcher Flagge das Schiff unterwegs war. Laut dem Online-Ortungsdienst "TankerTrackers" könnte es sich um die unter panamaischer Flagge fahrende "MT Riah" handeln. Im Persischen Golf und in der Straße von Hormus hat der Iran in den vergangenen Monaten bereits mehrere Schiffe beschlagnahmt.


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