07.09.2019, 09:22 Uhr

Hongkong (AFP) Hongkongs Polizei wegen geplanter Proteste mit Großaufgebot im Einsatz

Polizeikontrolle am Hongkonger Flughafen. Quelle: AFP/Anthony WALLACE (Foto: AFP/Anthony WALLACE)Polizeikontrolle am Hongkonger Flughafen. Quelle: AFP/Anthony WALLACE (Foto: AFP/Anthony WALLACE)

Beamte verhindern größere Menschenansammlungen

Angesichts der Ankündigung neuer Proteste rund um den Hongkonger Flughafen ist die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltungszone mit einem Großaufgebot im Einsatz. An Bus- und Zugbahnhöfen sowie den Anlegestellen von Fähren durchsuchten Polizisten am Samstag die Taschen und Rucksäcke vor allem von jungen Leuten und kontrollierten Ausweise, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Mit ihrem Einsatz verhinderten die Beamten größere Menschenansammlungen.

Auf einigen Zug- und Busstrecken zum Großflughafen wurde der Verkehr eingeschränkt. Zum Flughafen gelangten auf diese Weise nur wenige Dutzend Demonstranten. "Es gibt rundherum einfach zu viel Polizei", sagte einer von ihnen, der 26-jährige Tao Tsz Fung. "Aber wir gehen morgen wieder raus." Ein AFP-Reporter sah, wie ein junger Mann festgenommen und fortgebracht wurde.

Am Freitag war in Online-Netzwerken für Samstagnachmittag zu einem "Stresstest" des Hongkonger Flughafens aufgerufen worden. Dabei wurden Vorschläge veröffentlicht, wie sich Zufahrtsstraßen und die Bahnverbindung zu dem Airport blockieren ließen. Seit einem Sit-in im Flughafen im vergangenen Monat, das zu zahlreichen Flugausfällen führte, ist der Zugang zu den Terminals nur noch mit Bordkarte möglich.

Hongkongs pekingtreue Regierungschefin Carrie Lam hatte am Mittwoch überraschend angekündigt, ein umstrittenes Auslieferungsgesetz vollständig zurückzuziehen, das die Massenproteste vor drei Monaten ausgelöst hatte. Dabei forderte sie ein Ende der Demonstrationen und rief die Protestbewegung zum Dialog auf.

Die Protestbewegung erklärte aber, das Zugeständnis komme zu spät und genüge nun nicht mehr. Inzwischen fordern sie auch eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, eine Amnestie für die Festgenommenen sowie freie Wahlen. Die Demonstranten wehren sich gegen eine Beschneidung ihrer im Vergleich zu Festlandchina größeren bürgerlichen Freiheiten.

Die Lage in Hongkong war am Freitag auch Thema beim gegenwärtigen China-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In den vergangenen 14 Wochen beteiligten sich Millionen Menschen an den Protesten, dabei gab es wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten. Mehr als 1100 Menschen wurden festgenommen. Vielen von ihnen drohen lange Haftstrafen.


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