05.09.2019, 13:48 Uhr

Berlin (AFP) Früherer Leiter von Berliner Jugendfeuerwehr wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht

Justitia. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Taylan Gökalp (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Taylan Gökalp)Justitia. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Taylan Gökalp (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Taylan Gökalp)

60-Jähriger gesteht sexuelle Überfälle auf mindestens zwölf Jungen seit 1984

Ein ehemaliger Leiter der Berliner Jugendfeuerwehr muss sich seit Donnerstag wegen einer Serie von Missbrauchsfällen vor Gericht verantworten. Der 60-jährige Reinhard W. räumte vor dem Amtsgericht Tiergarten ein, seit 1984 mindestens zwölf Jungen sexuell missbraucht zu haben. In dem Prozess geht es um 49 Vergehen zwischen 2008 bis 2016 an zwei Opfern, weil die anderen bekannten Fälle verjährt sind.

Die beiden Opfer sind heute 16 und 20 Jahre alt. Der Missbrauch des 16-Jährigen soll sich 2016 ereignet haben. Die Taten gegen den 20-Jährigen sollen seit 2008 über mehrere Jahre begangen worden sein.

Insgesamt erstatteten zwölf Opfer Anzeige. W. gab an, sich darüber hinaus an keine weiteren Fälle erinnern zu können. Die Übergriffe geschahen offenbar vor allem bei Übernachtungen in der Feuerwehr, bei Ausflügen oder gemeinsamen Urlauben. Beim Prozessauftakt wurden auch mehrere Aussagen der Opfer verjährter Fälle vorgelesen. Demnach war das jüngste Opfer acht Jahre alt.

In einer von seinem Verteidiger vorgelesenen Erklärung hieß es, W. mache sich große Vorwürfe und "schämt sich maßlos". Auch ein verlesenes Schreiben von seinem Therapeuten bescheinigte ihm ein starkes Schuldbewusstsein. Der Angeklagte wies jedoch entschieden zurück, eine pädophile Neigung zu haben. "Ich habe den Fehler gemacht, dass ich die Kinder zu nah an mich heran gelassen habe", sagte er.

1974 war W. selbst als Jugendlicher in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten, seit 1982 war er Teil der Berufsfeuerwehr. 2003 wurde ihm für seine Verdienste bei der Feuerwehr das Verdienstkreuz verliehen. W. sagte, er gehe davon aus, dass er die Auszeichnung infolge des zu erwartenden Gerichtsurteils verlieren werde.

Als die Vorwürfe 2018 bekannt wurden, beendete W. seine Tätigkeiten in der Feuerwehr. Zu dem Zeitpunkt war er bereits seit zwölf Jahren Landesjugendwart.

W. droht in dem Verfahren eine mehrjährige Haftstrafe. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollten am Donnerstag unter anderem noch die beiden 16 und 20 Jahre alten Opfer als Zeugen vernommen werden. Bislang ist nur ein weiterer Termin im September anberaumt.


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