04.09.2019, 15:33 Uhr

Washington (AFP) Google willigt in Entschädigung wegen Datensammlungen über Kinder ein

YouTube-Logo und Webcam. Quelle: AFP/Archiv/LIONEL BONAVENTURE (Foto: AFP/Archiv/LIONEL BONAVENTURE)YouTube-Logo und Webcam. Quelle: AFP/Archiv/LIONEL BONAVENTURE (Foto: AFP/Archiv/LIONEL BONAVENTURE)

Über YouTube eingeholte Informationen für Anzeigen genutzt

Wegen der mutmaßlich illegalen Verwendung der Daten minderjähriger YouTube-Nutzer hat die Mutterfirma Google in den USA in Entschädigungszahlungen von 170 Millionen Dollar (154 Millionen Euro) eingewilligt. Einen entsprechenden Vergleich schloss Google mit der Verbraucherschutzbehörde FTC und der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats New York, wie die FTC am Mittwoch mitteilte.

Es handelt sich um die bislang höchste Entschädigungssumme, die aufgrund eines US-Gesetzes von 1998 zum Schutz der Daten von Kindern im Internet gezahlt werden soll. Der Vergleich muss noch von einem Bundesgericht abgesegnet werden.

Nach Angaben von Behördenvertretern hatte sich die Videoplattform über eine Bestimmung hinweggesetzt, wonach spezifisch an Kinder gerichtete Websites und Onlinedienste die Zustimmung der Eltern einholen müssen, wenn sie die persönlichen Daten von Kinder sammeln.

Nach Angaben der FTC vermarktete sich YouTube als für Kinder geeignete Plattform und machte Geschäfte mit Werbeanzeigen für Spielzeug und andere für Minderjährige bestimmte Produkte. "YouTube hat gegenüber potenziellen Firmenkunden seine Popularität unter Kindern angepriesen", erklärte FTC-Chef Joe Simons.

Verbraucherschützer hatten im April 2018 bei der FTC wegen der Datensammlungen über Kinder Beschwerde gegen YouTube und Google eingereicht. Nach Angaben der Verbraucherschützer sammelten die Unternehmen gezielt Daten über Minderjährige wie Standorte und Telefonnummern, damit diese für zielgerichtete Werbung genutzt werden konnten.

Die jetzige Einigung mit der FTC sieht auch vor, dass YouTube seinen Umgang mit Inhalten für Kinder sowie die Verwendung von Daten über Kinder generell ändert. Die Daten sollten nur noch dafür verwendet werden, den "Dienstbetrieb" bei spezifisch für Kinder bestimmten Videos zu unterstützen, erläuterte YouTube-Chefin Susan Wojcicki. Das auf den einzelnen Nutzer zugeschnittene Schalten von Anzeigen werde bei diesen Videos komplett eingestellt.

Wojcicki kündigte zudem an, dass Google einen 100-Millionen-Dollar-Fonds zur Schaffung von neuen und "durchdachten" Inhalten für Kinder einrichten wolle.

Die Verbraucherschützer, die gegen YouTube und Google vorgegangen waren, kritisierten den Vergleich allerdings als unzureichend. Die "dürftige" Entschädigungssumme sende das Signal, das ein "politisch mächtiger Konzern" bei Gesetzesbrüchen keine schweren finanziellen Konsequenzen zu befürchten habe, erklärte Jeff Chester vom Center for Digital Democracy.


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