03.09.2019, 14:25 Uhr

Berlin (AFP) Drei von vier Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt

Eine Pflegerin mit einer Seniorin. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Jana Bauch (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Jana Bauch)Eine Pflegerin mit einer Seniorin. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Jana Bauch (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Jana Bauch)

Verbände fordern mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

Drei von vier Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause betreut - zumeist von ihren Angehörigen. Von den 3,4 Millionen Pflegebedürftigen würden 2,6 Millionen daheim versorgt, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Von diesen wiederum werden 1,75 Millionen allein durch Familienangehörige gepflegt. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sprach von einer "Leistung, die nicht hoch genug geschätzt werden" könne und kündigte weitere Unterstützungsleistungen an. Sozialverbände forderten bezahlte Auszeiten für die Pflege.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts beziehen sich auf Ende 2017. Sie erfassen die Bedürftigen, die im Sinne der Bestimmungen des Pflegeversicherungsgesetzes auf Pflege angewiesen sind.

Die Linkspartei reagierte mit Sorge auf die Zahlen. Die Zahl der daheim betreuten Pflegebedürftigen sei auch deshalb so hoch, "weil professionelle Angebote fehlen oder nicht bezahlbar sind", erklärte die Pflegeexpertin der Linksfraktion, Pia Zimmermann. Die Pflegenden bräuchten "ein umfassendes System sozialer Sicherung und mehr Unterstützung".

Ministerin Giffey kündigte weitere Unterstützungsleistungen an. Derzeit werde ein Konzept für ein Familienpflegegeld diskutiert, erklärte sie. Dies sei "eine Art Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld", das über einen gewissen Zeitraum gezahlt werde und ermögliche, dass pflegende Angehörige weiter im Beruf bleiben können.

Pflegende Angehörige seien "wichtige Stützen in Familien und für die Gesellschaft und haben eine stärkere Unterstützung verdient", erklärte die Ministerin.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte ein "Familienpflegegeld" für pflegende Angehörige. Dieses müsse einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Freistellung durch den Arbeitgeber und staatliche Lohnersatzleistungen umfassen, erklärte Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Der Sozialverband VdK forderte "tragfähige Konzepte von Pflege-Auszeiten". VdK-Präsidentin Verena Bentele verwies auf das Konzept des Verbands für ein Pflegepersonengeld und eine Pflegepersonenzeit. "Wir verstehen darunter eine Lohnersatzleistung, die der Staat einem privat Pflegenden für eine gewisse Zeit zahlt." Zudem bräuchten pflegende Angehörige mehr Angebote, die sie von der Pflege entlasten, etwa mehr Plätze in Tagespflege und Kurzzeit sowie mehr Angebote in der ambulanten Pflege.

Die Stiftung Patientenschutz erhob eine ähnliche Forderung und plädierte für ein "Pflegezeitgeld". Beruf und Pflege ließen sich nur dann vereinbaren, "wenn es für pflegende Angehörige eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung ähnlich dem Elterngeld gibt", erklärte Vorstand Eugen Brysch. Die Bundesregierung "schiebt das Thema seit Jahren auf die lange Bank", so der Vorwurf.


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