01.09.2019, 23:29 Uhr

Kiryat Shmona (AFP) Internationale Regierungen warnen vor Eskalation zwischen Israel und dem Libanon


Wechselseitiger Raketenbeschuss an libanesisch-israelischer Grenze

Nach wechselseitigen Raketenangriffen zwischen der Hisbollah-Miliz und der israelischen Armee hat sich die Lage an der israelisch-libanesischen Grenze verschärft. Die israelische Armee teilte am Sonntag mit, sie habe Ziele im Südlibanon bombardiert. Von dort aus seien zuvor mehrere Panzerabwehrraketen auf einen israelischen Militärstützpunkt und auf israelische Militärfahrzeuge abgefeuert worden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, er habe "Vorbereitungen auf jegliches Szenario" angeordnet.

Die Panzerabwehrraketen aus dem Libanon trafen nach israelischen Armeeangaben mehrere Ziele. Den Vorwurf der libanesischen Regierung, wonach es bei dem israelischen Gegenangriff Todesopfer und Verletzte gegeben habe, wies Israel als falsch zurück.

Seine Regierung werde über die "nächsten Schritte" beraten, erklärte Netanjahu. In Israel finden am 17. September vorgezogene Neuwahlen statt. Beobachter gehen davon aus, dass Netanjahu im Vorfeld der Wahl einen Krieg verhindern will.

Die Hisbollah erklärte über ihren Sender Al-Manar, sie habe ein Militärfahrzeug der israelischen Armee in der Nähe der nordisraelischen Ortschaft Avivim "zerstört". Die Insassen seien "getötet und verletzt" worden. Als Reaktion beschoss Israels Armee nach eigenen Angaben den Hisbollah-Stützpunkt, aus dem die Panzerabwehrraketen abgeschossen worden waren.

Libanons Regierungschef Saad Hariri bat nach Angaben seines Büros die Regierungen Frankreichs und der USA sowie die internationale Gemeinschaft um ein Eingreifen.

Der Leiter der UN-Blauhelmmission Unifil im Südlibanon, Stefano Del Col, forderte beide Konfliktparteien zu "maximaler Zurückhaltung" und zur "Beendigung aller Aktivitäten" auf. Paris erklärte, es habe "mehrere Kontakte" hergestellt, um eine weitere Eskalation verhindern.

Das US-Außenministerium äußerte seine "Besorgnis" über die "eskalierenden Spannungen" an der libanesisch-israelischen Grenze und warnte die Hisbollah vor "feindseligen Handlungen". Washington unterstütze das Recht Israels auf Selbstverteidigung vollkommen, betonte ein Ministeriumssprecher. Die jüngste Eskalation sei ein "weiteres Beispiel für die destabilisierende Rolle", die Verbündete des Iran im Nahen Osten spielten.

Seit dem vergangenen Wochenende haben sich die Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern verschärft. Nach Angaben der libanesischen Armee waren am 25. August zwei Drohnen in den libanesischen Luftraum über Beirut eingedrungen. Die vom Iran unterstützte schiitische Hisbollah-Bewegung teilte mit, eine Drohne sei explodiert und habe ihr Medienzentrum im Süden von Beirut beschädigt. Die andere Drohne stürzte ab.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Israel auch Ziele im Nachbarland Syrien bombardiert. Nach Angaben der Hisbollah wurden dabei zwei Kämpfer der Miliz getötet. Der israelischen Armee zufolge sollte mit den Luftangriffen in Syrien ein iranischer Drohnenangriff auf Ziele in Israel vereitelt werden. Für den Drohnenangriff in Beirut übernahm Israel nicht die Verantwortung. Am Mittwoch feuerte die libanesische Armee Schüsse auf eine israelische Drohne ab.

Die libanesische Regierung machte Israel für den Drohnenangriff in Beirut verantwortlich. Libanons Präsident Michel Aoun bezeichnete den Angriff als "Kriegserklärung". Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah kündigte am Samstagabend Vergeltung an.

Die Hisbollah und Israel haben schon mehrfach Krieg gegeneinander geführt. Bei einem 33-tägigen Krieg im Jahr 2006 wurden im Libanon 1200 und in Israel 160 Menschen getötet.


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