01.09.2019, 11:06 Uhr

Hongkong (AFP) Polizei setzt Wasserwerfer mit blauer Farbe gegen Demonstranten in Hongkong ein


Brennende Barrikaden bei neuen Massenprotesten

Brennende Barrikaden und Wasserwerfer mit blauer Farbe: Bei neuen Massenprotesten in Hongkong hat es schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Trotz eines Demonstrationsverbots waren in der chinesischen Sonderverwaltungszone am Samstag zehntausende Menschen für mehr Demokratie auf die Straße gegangen. Die Situation eskalierte, als Demonstranten Polizeiabsperrungen durchbrachen und Brandsätze und Steine auf Polizisten warfen. Die Polizei bespritzte Demonstranten mit blauer Farbe - wohl um die Protestteilnehmer zu markieren.

Trotz des Demonstrationsverbots zog am Samstag ein langer Protestzug durch die Straßen im Hongkonger Finanz- und Geschäftsviertel Central. Viele Demonstranten hatten bunte Schirme dabei, um an den Beginn der Regenschirm-Proteste in Hongkong vor fünf Jahren zu erinnern.

Am Nachmittag kam es zu ersten Zusammenstößen, als Demonstranten Steine und Brandsätze auf Polizisten vor dem Parlamentsgebäude warfen. Bei Einbruch der Dunkelheit durchbrachen Protestteilnehmer dann eine Absperrung vor dem Parlament.

Die Polizei drängte die Demonstranten mit Tränengas und blau gefärbtem Wasser aus einem Wasserwerfer zurück. Medienberichten zufolge soll die blaue Farbe die Identifizierung von Verdächtigen erleichtern.

Auf einer Hauptverkehrsstraße nahe dem Hongkonger Polizeihauptquartier setzten maskierte Demonstranten am Abend eine Barrikade in Brand. Das Feuer schlug hohe Flammen und konnte erst nach einer guten halben Stunde gelöscht werden.

Für Empörung sorgte die massive Polizeigewalt, unter anderem bei Massenfestnahmen in U-Bahnhöfen. Hongkonger Medien verbreiteten Videoaufnahmen, die einen brutalen Polizeieinsatz in einer U-Bahn zeigten. Spezialeinheiten der Polizei setzten dabei Schlagstöcke und Pfefferspray gegen am Boden kauernde Menschen ein.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine Untersuchung der "entsetzlichen" Vorfälle in der U-Bahn. Gewalt gegen Polizisten dürfe nicht als Vorwand genutzt werden, "um anderswo zu randalieren", erklärte der Hongkonger Amnesty-Direktor Man-kei Tam.

Die Polizei erklärte, die "eskalierende Gewalt" und der Einsatz "tödlicher Waffen" durch die Demonstranten hätten die Polizisten und alle anderen Anwesenden in ernste Gefahr gebracht. Einige Demonstranten versuchten nach Polizeiangaben auch, Beamten ihre Dienstwaffe zu entreißen. Daraufhin hätten Polizisten zwei Warnschüsse abgefeuert. Nach Krankenhausangaben wurden 31 Verletzte eingeliefert, darunter fünf Schwerverletzte.

Trotz der Gewalt versammelten sich am Sonntag wieder hunderte Demonstranten zu Protestaktionen am Flughafen. Sie errichteten Barrikaden am Busbahnhof des Flughafens und versuchten die größte Zufahrtsstraße zum Terminal zu blockieren. Die Betreiber des Airport Express stellten daraufhin am Nachmittag den Zugverkehr zum Flughafen ein. Zu Flugausfällen oder längeren Verspätungen kam es zunächst jedoch nicht.

Die Aktivisten blockierten an dem Großflughafen aber mehrere Straßen, versprühten den Inhalt von Feuerlöschern, türmten Gepäckwagen zu Barrikaden auf und schlugen Überwachungskameras ein. Als sie von der Polizei vertrieben wurden, setzten sie im nahegelegenen Vorort Tung Chung eine U-Bahnstation unter Wasser und verbrannten eine chinesische Flagge.

In Hongkong gibt es seit drei Monaten Massenproteste für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings. Die Demonstranten fürchten eine zunehmende Beschneidung ihrer im Vergleich zu Festland-China größeren bürgerlichen Freiheiten.

Peking hatte der ehemaligen britischen Kronkolonie bei der Rückgabe 1997 unter dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" für mindestens 50 Jahre Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit zugesichert. Nach Ansicht der Demonstranten wird diese Zusicherung von Peking schrittweise ausgehöhlt.


0 Kommentare