31.08.2019, 13:36 Uhr

Hongkong (AFP) Zusammenstöße und Chaos bei Demonstrationen in Hongkong


Demonstranten setzen Barrikaden in Brand - Polizei setzt Tränengas ein

Trotz eines Demonstrationsverbots haben in Hongkong erneut zehntausende Menschen für mehr Demokratie protestiert. Bei den Massenprotesten am Samstag kam es zu Zusammenstößen zwischen Protestteilnehmern und Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten ein, die Steine und Brandsätze warfen und Barrikaden in Brand setzten. Viele Hongkonger setzten sich mit kreativen Aktionen über das Demonstrationsverbot hinweg: Sie versammelten sich offiziell zum Beten oder zum Einkaufen.

Trotz des Verbots verstopfte ein langer Protestzug die Straßen im Hongkonger Finanz- und Geschäftsviertel. Viele Demonstranten trugen als Erkennungszeichen schwarze T-Shirts und trugen bunte Schirme, um an den Beginn der Regenschirm-Proteste in Hongkong vor fünf Jahren zu erinnern. Ein Demonstrationszug zog am Amtssitz der Peking-treuen Regierungschefin Carrie Lam vorbei, deren Rücktritt die Demokratiebewegung verlangt. In einem Einkaufsviertel blockierten Demonstranten eine Straße.

Am Nachmittag kam es zu ersten Zusammenstößen, als Demonstranten Steine und Brandsätze auf Polizisten vor dem Parlamentsgebäude warfen und sie mit Laserpointern blendeten. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Bei Einbruch der Dunkelheit durchbrachen die Protestteilnehmer dann eine Absperrung vor dem Parlament. Die Polizei drängte die Demonstranten mit Tränengas und blau gefärbtem Wasser aus einem Wasserwerfer zurück. Medienberichten zufolge soll die blaue Farbe die Identifizierung von Verdächtigen erleichtern.

Auf einer wichtigen Verkehrsstraße nahe dem Hongkonger Polizeihauptquartier setzten maskierte Demonstranten eine Barrikade in Brand. Das Feuer schlug hohe Flammen und konnte erst nach einer guten halben Stunde gelöscht werden.

Die Polizei erklärte, "Radikale Demonstranten" hätten "Ätzende Stoffe und Brandsätze" geworfen und somit eine "ernsthafte Bedrohung" für alle Anwesenden dargestellt.

In Hongkong gibt es seit drei Monaten Massenproteste für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings. Für Samstag hatten die Organisatoren ursprünglich eine Großdemonstration angemeldet, um an den fünften Jahrestag der Regenschirm-Proteste zu erinnern, die die Finanzmetropole 2014 wochenlang lahmgelegt hatte. Die Polizei hatte die Demonstration jedoch verboten.

Am Freitag war die Polizei massiv gegen Demokratie-Aktivisten vorgegangen, die Protestanführer Joshua Wong und Agnes Chow sowie mindestens drei weitere bekannte Aktivisten und drei der Demokratiebewegung nahestehende Abgeordnete wurden festgenommen. Angesichts des Drucks sagten die Organisatoren die Großdemonstration ab, kündigten aber andere Protestaktionen an.

Viele Hongkonger setzten sich am Samstag mit kreativen Aktionen über das Demonstrationsverbot hinweg: Sie widmeten den Protest in nicht verbotene "religiöse Versammlungen" um, trugen Kreuze oder Ikonen und sangen "Halleluja". Es gab zudem Aufrufe zum "Masseneinkaufsbummel" im Stadtzentrum.

Vor genau fünf Jahren hatte die chinesische Regierung entschieden, politische Reformen in Hongkong zu verbieten. Diese Entscheidung hatte 2014 die sogenannte Regenschirm-Bewegung ausgelöst. Bereits damals hatte der heute 22-jährige Wong an der Spitze der 79-tägigen Proteste gestanden.

Peking hatte der ehemaligen britischen Kronkolonie bei der Rückgabe 1997 unter dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" für mindestens 50 Jahre Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit zugesichert. Nach Ansicht der Demonstranten wird diese Zusicherung von Peking schrittweise ausgehöhlt.


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