31.08.2019, 14:15 Uhr

Kundus (AFP) Deutsches Feldlager bei Taliban-Angriff auf Kundus beschossen

Kundus wurde seit 2015 mehrfach von den Taliban angegriffen. Quelle: AFP/Archiv/BASHIR KHAN SAFI (Foto: AFP/Archiv/BASHIR KHAN SAFI)Kundus wurde seit 2015 mehrfach von den Taliban angegriffen. Quelle: AFP/Archiv/BASHIR KHAN SAFI (Foto: AFP/Archiv/BASHIR KHAN SAFI)

Taliban attackieren nordafghanische Provinzhauptstadt

Bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban auf die nordafghanische Stadt Kundus ist das Camp Pamir beschossen worden, in dem auch deutsche Soldaten stationiert sind. Ein Geschoss habe das Lager getroffen, verletzt worden sei bei dem Angriff niemand, erklärte das Einsatzkommando der Bundeswehr am Samstag. Wie die afghanischen Behörden mitteilten, griffen Talibankämpfer die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz am frühen Samstagmorgen aus mehreren Richtungen an.

Die Kämpfe dauerten am frühen Samstagabend (Ortszeit) noch an. Beide Seiten erklärten, Einheiten der Gegenseite hätten sich ergeben. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte, die Taliban hätten in Kundus schon mehrere wichtige Gebäude eingenommen. "Wir sind jetzt in der Stadt und erobern ein Regierungsgebäude nach dem anderen", sagte Mudschahid vor Journalisten.

Die afghanischen Luftstreitkräfte flogen mindestens fünf Angriffe. Aus Sicherheitskreisen verlautete, es seien genug Bodentruppen im Einsatz, um den Angriff zurückgeschlagen. Ein Regierungssprecher teilte mit, bei den Auseinandersetzungen seien 42 Talibankämpfer getötet worden.

In vier Stadtgebieten von Kundus waren Schüsse aus leichten und schweren Waffen zu hören, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Seinen Berichten zufolge trafen Spezialkräfte in Kundus ein, um die Taliban zurückzudrängen.

Im September 2015 hatten die Taliban in Kundus für etwa zwei Wochen die Kontrolle übernommen. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst mit Unterstützung massiver US-Luftangriffe zurückerobern. Seitdem haben die Taliban immer wieder Angriffe auf die strategisch wichtige Stadt nahe der Grenze zu Tadschikistan gestartet. Es ist ihnen seitdem aber nicht mehr gelungen, die Stadt vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen.

In Kundus befand sich während des Nato-Einsatzes in Nordafghanistan das Feldlager der Bundeswehr. 2013 übergaben die deutschen Truppen das Lager nach zehn Jahren an afghanische Sicherheitskräfte. Im afghanischen Camp Pamir befanden sich zur Zeit des Angriffs vom Samstag laut Bundeswehr "80 deutsche Kräfte".

Die USA, die vor fast 18 Jahren in Afghanistan einmarschiert waren, verhandeln seit einem Jahr mit den Taliban über ein Ende des Konflikts. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnertag angekündigt, dass auch nach einem möglichen Friedensabkommen mit den Taliban zunächst 8600 US-Soldaten in dem Land bleiben sollen.

Ein Sprecher von Afghanistans Präsident Aschraf Ghani erklärte, der Angriff zeige, dass die Taliban "nicht an die von den USA und Afghanistans Regierung angebotenen Chance auf Frieden glauben". "Einerseits sprechen sie mit den USA, andererseits greifen sie die Häuser und Dörfer der Menschen an", schrieb Sedik Sedikki im Kurzbotschaftendienst Twitter.


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