30.08.2019, 12:31 Uhr

Detmold (AFP) Verteidiger fordern in Lügde-Prozess mildere Strafen für beide Angeklagte

Der Angeklagte Andreas V. vor Gericht. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen)Der Angeklagte Andreas V. vor Gericht. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Bernd Thissen)

Gericht will Urteil zu massenhaftem Kindesmissbrauch am Donnerstag verkünden

Im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat am Freitag die Verteidigung plädiert. Für den 56-jährigen früheren Dauercamper Andreas V. forderte sie eine Haftstrafe von zwölf Jahren, wie ein Sprecher des Landgerichts Detmold mitteilte. Zur Frage einer möglichen Sicherungsverwahrung äußerte sie sich nicht. Die Verteidigung des 34-Jährige Mario S. forderte demnach kein konkretes Strafmaß.

Laut Gerichtssprecher wies sie nur darauf hin, dass das Geständnis ihres Mandanten strafmildernd zu werten sei. V. und S. gelten als Haupttäter der jahrzehntelangen Missbrauchsserie von Lügde, die Anfang des Jahres bekannt wurde und bundesweit Entsetzen auslöste. Das Urteil will das Gericht am kommenden Donnerstag verkünden.

Vor der Verteidigung plädierten noch weitere Nebenklagevertreter. Sie schlossen sich laut dem Sprecher überwiegend den Forderungen der Staatsanwaltschaft an, einige verlangten auch härtere Strafen.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor rund zwei Wochen 14 Jahre Haft für V. und zwölfeinhalb Jahre Haft für S. gefordert. Nach dem Willen der Anklage soll für beide zudem Sicherungsverwahrung angeordnet werden. Alle Plädoyers fanden aus Gründen des Opferschutzes hinter verschlossenen Türen statt. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen.

Der lange unentdeckt gebliebene Missbrauch einer Vielzahl von Kindern auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen gilt wegen polizeilicher Ermittlungspannen und Behördenversagens als einer der größten Skandale der vergangenen Jahre. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde scharf kritisiert.


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