29.08.2019, 12:09 Uhr

Kopenhagen (AFP) WHO besorgt über neuen Vormarsch der Masern in Europa


Rückschritt: Vier Länder verlieren Status als Masern-frei

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist besorgt über eine starke Zunahme der Masern-Fälle in Europa. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden in 48 europäischen Ländern mit 89.994 bereits mehr als doppelt so viele Masernfälle registriert wie im gleichen Vorjahreszeitraum mit 44.175 - und mehr als im gesamten Jahr 2018. Vier europäische Staaten - Großbritannien, Griechenland, Tschechien und Albanien - erlitten einen Rückschlag und büßten den Status als Masern-frei ein. Deutschland hatte diesen Status schon bisher nicht.

Als von Masern frei gilt ein Land, wenn dort über einen Zeitraum von zwölf Monaten keine Übertragung der Krankheit festgestellt wird. Aufgrund der Statistiken für das Jahr 2018 können Griechenland, Großbritannien, Tschechien und Albanien nicht mehr als Masern-frei angesehen werden. In Griechenland wurden demnach 2193 Fälle festgestellt, in Albanien 1466, in Großbritannien 953 und in Tschechien 217.

"Die zunehmende Übertragung der Masern ist beunruhigend", sagte Günter Pfaff, der Vorsitzende der Europäischen Verifizierungskommission für die Eliminierung von Masern und Röteln. Wenn nicht flächendeckend hohe Impfquote erreicht und aufrecht erhalten würden, führe das zu "unnötigem Leid" und in einigen Fällen zum "tragischen Tod". In Europa wurden 2018 insgesamt 74 tödliche Masernfälle registriert, in der ersten Jahreshälfte 2019 waren es 37.

Masern sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als etwa die Grippe oder Ebola. Es können lebensgefährliche Komplikationen wie einer Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung auftreten, insbesondere bei ohnehin abwehrgeschwächten Menschen wie Säuglingen oder Senioren. Mit einer in zwei Dosen verabreichten Impfung kann leicht Immunität gegen das Virus hergestellt werden.

Die Rückkehr der Masern nach Großbritannien, Griechenland, Tschechien und Albanien sei ein Alarmsignal, erklärte Kate O'Brien, die Leiterin der Immunisierungs-Abteilung der WHO. Es genüge nicht, dass ein Land eine hohe Durchimpfungsrate habe: Vielmehr müsse "in jeder Gemeinde, in jeder Familie für jedes Kind" eine hohe Impfquote erreicht werden.

In zwölf europäischen Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, sind die Masern laut WHO endemisch, diese Länder sind also nicht von Masern frei. Österreich und die Schweiz hingegen genießen auf der Basis der Daten von 2018 nun diesen Status. In Deutschland soll ab dem 1. März 2020 eine Impfpflicht für Masern gelten.

Weltweit wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 364.808 Masern-Fälle registriert, rund dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die meisten Fälle gab es demnach in der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar und der Ukraine. Die Zahlen sind besonders Besorgnis erregend, weil nach Schätzungen der WHO nur weniger als jeder zehnte Masern-Fall weltweit gemeldet wird, die Dunkelziffer also riesig ist.

In den westlichen Ländern geht die Ausbreitung der Masern vornehmlich auf eine zunehmende Impfskepsis zurück. Manche Impfkritiker bringen die Masern-Mumps-Röteln-Impfung in Verbindung mit Autismus. Dies wurde jedoch in mehreren Studien eindeutig widerlegt.


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