28.08.2019, 14:49 Uhr

Hagen (AFP) Handgranaten und automatische Gewehre bei Razzien gegen Waffenhändler entdeckt

Spezialkräfte der Polizei bei einer Übung. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam)Spezialkräfte der Polizei bei einer Übung. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Mohssen Assanimoghaddam)

Auch Scharfschützengewehre gefunden - Durchsuchungen in NRW und Niedersachsen

Bei Razzien gegen mutmaßliche Mitglieder eines Waffenhändlerrings haben deutsche Sicherheitsbehörden am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unter anderem zwei vollautomatische Gewehre und drei Handgranaten beschlagnahmt. Ferner seien zwei Scharfschützengewehre, 35 Pistolen, etwa 15.000 Schuss Munition und fünf Kilogramm Schwarzpulver gefunden worden, teilte die Polizei im nordrhein-westfälischen Hagen mit. Fünf Beschuldigte wurden bei den Durchsuchungen, an denen teils auch Spezialeinheiten beteiligt waren, vorläufig festgenommen.

Die Razzien erfolgten demnach in Wohnungen, Häusern, Garagen sowie Gewerbeobjekten wie Werkstätten unter anderem in Dortmund, Duisburg, Lünen und Wilhelmshaven. Hintergrund sind Ermittlungen gegen einen Ring mutmaßlicher Waffenhändler, die schon seit 2018 geführt werden. Auslöser dafür waren wiederum Ermittlungen nach mehreren versuchten Mordanschlägen im kriminellen Hagener Rockermilieu. Dabei fand die Polizei Pistolen ohne eingeprägte Seriennummern und Beschusszeichen.

Ähnliche Waffen des gleichen Typs hatten Polizisten zuvor bereits in anderen Bundesländern und sogar in Großbritannien entdeckt. Da diese Modelle nur von einem Hersteller aus dem Sauerland produziert wurden, lag der Verdacht nahe, dass einer der Mitarbeiter Waffen aus dessen Werk abzweigte, bevor diese gekennzeichnet wurden. Tatsächlich wurde im März ein 47-jähriger langjähriger Mitarbeiter erwischt, als er einen Pistolenlauf durch Sicherheitskontrollen schmuggeln wollte.

Die folgenden Ermittlungen ergaben, dass der Mann mindestens seit 2016 Waffenteile aus der Fabrik gestohlen und zu Hause mit seinem Fachwissen zu nicht nachverfolgbaren scharfen Kleinkaliberpistolen zusammengebaut hatte. Er gestand laut Polizei und machte Angaben zum Abnehmer, der ebenfalls festgenommen wurde und seinerseits Angaben zu weiteren Geschäftspartnern machte. So wurden im April eine illegale Waffenwerkstatt entdeckt und mehrere Beteiligte eines professionellen Waffenhändlerrings namhaft gemacht.

Die Beamten gingen nach eigenen Angaben vom Mittwoch davon aus, dass die Bande mindestens 150 Waffen in Umlauf brachte, die genaue Zahl ist jedoch unklar. Bei dem 47-jährigen Mitarbeiter des Pistolenherstellers fanden sie demnach außerdem Bauteile für weitere etwa 50 Waffen. Vier Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft, zwei weitere befinden sich gegen Auflagen auf freiem Fuß. Die Auswertung mündete zudem in Ermittlungen gegen insgesamt 16 weitere Verdächtige.

In diesem Zusammenhang erfolgten nun auch die neuen Razzien vom Mittwoch, bei denen die erheblichen Waffen- und Sprengstoffbestände beschlagnahmt wurden. Nähere Einzelheiten zu den Beteiligten machten die Beamten zunächst aber nicht. In Lünen stießen die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben in einem Wohnhaus unter anderem auch auf ein Labor zur Herstellung von Amphetaminen, also synthetischen Drogen.

Die Auswertung der zahlreichen beschlagnahmten Waffen und sonstigen Beweismittel seien noch in vollem Gange, erklärte die Hagener Polizei. Dazu zählten unter anderem auch insgesamt etwa 30 Gewehre, zahlreiche Waffenteile sowie 40 Schusswaffen, die die Verdächtigen legal besaßen.


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