27.08.2019, 13:21 Uhr

Wolfsburg (AFP) VW würdigt Piëch als genialen Ingenieur und visionären Unternehmer

Piëch im Jahr 2017. Quelle: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE (Foto: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE)Piëch im Jahr 2017. Quelle: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE (Foto: AFP/Archiv/THOMAS KIENZLE)

Langjähriger Konzernchef des Autobauers mit 82 Jahren gestorben

"Visionärer Unternehmer" und "genialer Ingenieur": Nach dem Tod des langjährigen VW-Chefs Ferdinand Piëch hat der Volkswagen-Konzern die Verdienste des Managers für den Wolfsburger Autobauer gewürdigt. Piëch habe "Automobilgeschichte geschrieben", erklärte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Dienstag. VW-Chef Herbert Diess fügte hinzu, Piëch habe "Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen-DNA verankert".

Piëch war am Sonntag mit 82 Jahren nach Angaben seiner Frau Ursula "plötzlich und unerwartet" gestorben. Er galt lange Zeit als Patriarch des Konzerns. In seiner Zeit als Vorstandschef von 1993 bis 2002 formte Piëch VW zum Multimarken-Konzern. 2002 wurde er Vorsitzer des Aufsichtsrats. Im April 2015 trat er vor dem Hintergrund eines Machtkampfes mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn von diesem Posten zurück.

Geboren wurde Piëch am 17. April 1937 in Wien als Sohn des Juristen Anton Piëch und der Porsche-Tochter Louise. Er ist der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Nach seinem Maschinenbaustudium bis Anfang der 70er Jahre arbeitete er bei Porsche. Dann beschloss der Porsche-Clan jedoch, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen.

Piëch heuerte bei Audi an, wurde 1975 Vorstand und 1988 Vorstandsvorsitzender. Er trimmte die Marke auf Erfolg - und wurde 1993 als Retter nach Wolfsburg geholt, als der VW-Konzern in seine bislang schwerste Krise geschlittert war.

Vom Chefsessel wechselte Piëch 2002 in den Aufsichtsrat und wurde fast allmächtiger Chefkontrolleur. Als Manager schlug ihm dabei während seiner Karriere bis hin zu Angst reichender Respekt entgegen, sein geschäftlich tollkühn anmutendes Agieren kombinierte sich mit einem menschlich schwierigen Auftritt. Mit dem Verkauf eines Großteils seiner Stammaktien besiegelte er im März 2017 schließlich seinen Ausstieg aus dem Volkswagen-Imperium.

An der Spitze des Konzerns habe Piëch die Internationalisierung des Unternehmens konsequent vorangetrieben und die Marken durch seine Plattformstrategie "zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit geführt", erklärte VW-Chef Diess. Technisch sei Piëch mit seinen Entwicklerteams dabei "immer wieder an die Grenzen des Machbaren gegangen".

Zum Gedenken an den langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratschef wurden in verschiedenen Werken von Volkswagen die Fahnen auf Halbmast gesetzt, darunter in Wolfsburg und Dresden. Wolfgang Porsche, Sprecher der Porsche-Familie und Aufsichtsratschef des Volkswagen-Großaktionärs Porsche SE, betonte das gemeinsame "Ringen um das Erbe unseres Großvaters Ferdinand Porsche, das wir erfolgreich weitergeführt haben".

Hans Michel Piëch, Sprecher der Familie Piëch, betonte, sein Bruder habe die deutsche Automobilindustrie "geprägt wie kein Zweiter". Und er sei "eng verbunden" mit den Mitarbeitern gewesen, "in guten wie in schlechten Zeiten".

Uwe Hück, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender von Porsche, lobte Piëch als arbeitnehmerfreundlichen Manager. "Piëch hat Wert gelegt auf ein enges Verhältnis zur Arbeitnehmerseite", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" vom Mittwoch. "Piëch war vielleicht kein Mensch, der für ein liebevolles Miteinander gesorgt hat. Aber er hat für sichere Arbeitsplätze gesorgt."

Der frühere IG-Metall-Bundesvorsitzende Klaus Zwickel würdigte Piëch als verlässlichen Verhandlungspartner. "Zwangsläufig hatten wir unterschiedliche Aufgaben und Interessen", sagte er der "Heilbronner Stimme" vom Mittwoch. "Aber ich habe ihn sehr geschätzt."

Aus Sicht des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer wird es künftig keine Manager wie Piëch mehr geben: "Die Zeit hat sich total geändert. Wir kommen aus einer Zeit, wo man von oben nach unten das Unternehmen geleitet hat", sagte er im Bayerischen Rundfunk. "Heute sind andere Dinge angesagt."


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