22.08.2019, 09:55 Uhr

Dresden (AFP) Verteidigung fordert in Prozess um Messerangriff von Chemnitz Freispruch

Der Angeklagte Alaa S. an einem früheren Prozesstag. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Robert Michael (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Robert Michael)Der Angeklagte Alaa S. an einem früheren Prozesstag. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Robert Michael (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Robert Michael)

Anwälte halten Beweise gegen Angeklagten Alaa S. für unzureichend

Im Prozess um den tödlichen Messerangriff von Chemnitz hat die Verteidigung Freispruch für den Angeklagten gefordert. Die Beweisaufnahme habe "nicht ergeben", dass ihr Mandant Daniel H. getötet und einen weiteren Mann verletzt habe, sagte Verteidigerin Ricarda Lang am Donnerstag in Dresden. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten Alaa S. sei deshalb umgehend aufzuheben.

Nach Auffassung der Verteidigung gibt es in dem Verfahren viele Ungereimtheiten und Widersprüche in den Zeugenaussagen. Die Zeugenaussagen seien weitgehend "untauglich", es gebe auch keine DNA-Spuren, die den Verdacht gegen S. stützten. Zudem sei eine Vielzahl von Menschen am Tatort gewesen. Alaa S. habe keine Verletzungen gehabt, die von einer Auseinandersetzung herrühren könnten, sagte Lang. "Das passt vorne und hinten nicht zusammen." Frank Drücke, der zweite Verteidiger des 24-Jährigen, sprach von einer "auf tönernen Füßen wankenden Anklage".

Die Staatsanwaltschaft hatte bereit zu Wochenbeginn plädiert und zehn Jahre Haft wegen gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die Nebenklage forderte am Donnerstag elf Jahre Freiheitsstrafe. Das Urteil wollen die Richter um 14.00 Uhr verkünden. Der vor dem Landgericht Chemnitz geführte Prozess findet aus Sicherheitsgründen im Oberlandesgericht Dresden statt.

Der Syrer Alaa S. soll der Anklage zufolge Ende August vergangenen Jahres am Rande des Chemnitzer Stadtfests gemeinsam mit einem flüchtigen Tatverdächtigen den 35-jährigen Daniel H. erstochen haben. Nach dem Iraker wird nach wie vor mit einem internationalen Haftbefehl gefahndet.

Während eines Streits sollen die beiden mehrfach mit Messern auf H. eingestochen haben. Dieser starb unmittelbar nach der Tat. Zudem sollen die Angeklagten einen weiteren Mann durch einen Stich in den Rücken verletzt haben. Der damals verletzte Zeuge sowie die Mutter und die Schwester von Daniel H. treten im Prozess als Nebenkläger auf.

Die Gewalttat löste in Chemnitz eine Reihe ausländerfeindlicher Demonstrationen und teils gewaltsame Ausschreitungen von Rechtsextremen aus, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Auch die AfD und Pegida versuchten, den Fall für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen.

Die Verteidigung sieht den Prozess auch von politischer Seite unter Druck. "Man brauchte ja irgendeinen Schuldigen, damit in Chemnitz Ruhe herrscht", sagte Lang.

Alaa S. sagte in seinem Schlusswort, er hoffe, "dass die Wahrheit ans Licht gebracht wird". Es tue ihm leid, was der Familie von Daniel H. widerfahren sei. Er hoffe aber, nicht "das zweite Opfer dieses Täters zu sein", sagte der 24-Jährige mit Blick auf das erwartete Urteil.


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