22.08.2019, 07:52 Uhr

Berlin (AFP) Verbändebündnis fordert zwei Millionen Sozialwohnungen bis 2030

Wohnungsneubau in Berlin. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka)Wohnungsneubau in Berlin. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka)

IG-BAU-Chef Feiger: "Sozialer Wohnungsbau verödet"

Das Verbändebündnis Soziales Wohnen hat angesichts der Debatten über Wohnungsnot, Mietpreisbremse und Baugenehmigungen die Politik zum Umdenken aufgerufen. Am Donnerstag stellte das Bündnis seinen "Akutplan für soziales und bezahlbares Wohnen in Deutschland" vor. Darin fordern die Verbände zwei Millionen Sozialwohnungen bis 2030. Der Staat müsse seine Förderung auf 6,3 Milliarden Euro im Jahr deutlich erhöhen.

Im vergangenen Jahr sank der Bestand an Sozialwohnungen laut Bündnis um knapp 42.500 oder 3,6 Prozent auf rund 1,2 Millionen. So würden "mehr und mehr Menschen vom Wohnungsmarkt ausgegrenzt". Das Bündnis fordert daher den Bau von mindestens 80.000 neuen sozialen Mietwohnungen sowie die Modernisierung von 75.000 Bestandswohnungen jährlich. Aktuell werden demnach nur 27.000 Sozialmietwohnungen neu gebaut.

Ein Umsteuern "geht allerdings nur, wenn der Staat seine Förderung für den sozialen Wohnungsbau erheblich steigert", sagte Matthias Günther, Chef des Forschungsinstituts Pestel, der die Zahlen für das Verbändebündnis Soziales Wohnen errechnete. Er forderte eine Erhöhung der Fördergelder "von zuletzt 2,4 Milliarden auf dann 6,3 Milliarden Euro pro Jahr – bei einer durchschnittlichen Förderung von 60.000 Euro pro neu gebauter Sozialwohnung".

Im Bündnis Soziales Wohnen haben sich der deutsche Mieterbund, die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie sowie die Bauverbände DGFM und BDB zusammengeschlossen.

"Der soziale Wohnungsbau in Deutschland verödet", sagte IG Bau-Chef Robert Feiger der Nachrichtenagentur AFP. Nur jede 36. Wohnung sei eine Sozialwohnung - das seien 2,8 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Obwohl in Großstädten zwischen 40 und 50 Prozent der Haushalte theoretisch einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten, seien nur 5,4 Prozent aller Mietwohnungen Sozialwohnungen. "Die Lage ist dramatisch".

Im Schnitt seien in den vergangenen drei Jahren pro Jahr 84.550 Sozialwohnungen aus der Bindung gefallen. "Rein rechnerisch verschwinden damit pro Tag 232 Sozialwohnungen vom Markt – knapp zehn Wohnungen pro Stunde, alle sechs Minuten eine", sagte Feiger weiter. Halte dieser Trend an, sei schon 2023 die Zahl von einer Million Sozialmietwohnungen unterschritten.


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