17.08.2019, 13:07 Uhr

Hongkong (AFP) Tausende Menschen protestieren in Hongkong erneut gegen Regierung


Anhänger der Regierung starten Gegendemonstration

Trotz der Warnungen aus Peking haben in Hongkong am Samstag erneut tausende Menschen gegen die pro-chinesische Regierung der Metropole demonstriert. Zunächst zogen zahlreiche Lehrer im Regen durch die Straßen und zeigten sich solidarisch mit den überwiegend jungen Demokratie-Aktivisten. Am Nachmittag demonstrierten zudem tausende Menschen in den bei Touristen beliebten Hafenvierteln Hung Hom und To Kwa Wan. In einem Park versammelten sich jedoch auch regierungsnahe Demonstranten.

Die regierungskritischen Demonstrationen an diesem Wochenende wurden von der Protestgruppe Civil Human Rights Front (CHRF) organisiert und sollen demnach "vernünftig" und "gewaltlos" ablaufen. Die Organisation meidet Konfrontationen mit der Polizei und war die treibende Kraft hinter den Rekord-Kundgebungen im Juni und Juli mit mehreren hunderttausend Teilnehmern.

Die Aktivisten wollen deutlich machen, dass ihre Bewegung trotz zunehmender Gewalt immer noch breite Unterstützung in der Öffentlichkeit findet. Die zunächst friedlichen Proteste hatten sich in den vergangenen Wochen radikalisiert. Am Montag und Dienstag besetzten tausende Demonstranten den Hongkonger Flughafen. Dabei griffen einige von ihnen zwei Männer an, die sie für chinesische Spione hielten.

"Die Regierung ist bisher auf keine einzige Forderung eingegangen", sagte ein 25 Jahre alter Demonstrant am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Sie setze im Gegenteil verstärkt Sicherheitskräfte ein, um "die Stimme des Volkes zu unterdrücken". "Wenn wir jetzt nichts tun, wird die nächste Generation noch mehr Unterdrückung erfahren."

Allerdings unterstützen auch etliche Hongkonger die pekingtreue Regierung. In einem Park versammelten sich tausende regierungsnahe Demonstranten, um gegen die Demokratie-Aktivisten zu protestieren. Viele von ihnen schwenkten chinesische Flaggen.

Die 60-jährige Irene Man sieht die Aktionen der Demokratie-Aktivisten kritisch: "Sie handeln unmenschlich, sie sind alle zu Monstern geworden. Sie sind gedankenlose Randalierer ohne Vernunft."

Die Polizei hatte die von CHRF beantragte Demonstration am Samstag zunächst verboten, gab nach einer Änderung der Route aber doch ihr Einverständnis. Im Viertel Mongkok, wo es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Zusammenstößen kam, blockierten einige Demonstranten die Straßen und zielten mit Laserpointern auf die Polizisten.

Viele Protestierende skandierten, sie würden ihre Kraft für die Kundgebung am Sonntag aufheben. Dann ist eine weitere friedliche Massendemonstration geplant. Die pro-demokratische Abgeordnete Claudia Mo kündigte auf ihrer Facebook-Seite einen "Marsch der Millionen" an. Die Polizei hat die Massenkundgebung zwar genehmigt, einen Demonstrationszug durch Hongkongs Straßen jedoch untersagt.

Die seit zehn Wochen andauernden Proteste haben die chinesische Sonderverwaltungszone in eine schwere Krise gestürzt. Die Proteste, die sich zunächst gegen ein inzwischen ausgesetztes Auslieferungsgesetz richteten, das auch Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah, haben sich inzwischen zu einer Massenbewegung für Demokratie entwickelt.

Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten. Die Beamten gingen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Menschen vor, die Demonstranten antworteten mit Steinen und Molotowcocktails.

Abgesehen von der Aussetzung des umstrittenen Gesetzes ist Regierungschefin Carrie Lam bisher auf keine der Forderungen der Bewegung eingegangen. Die Aktivisten verlangen unter anderem eine Untersuchung der Polizeigewalt, die vollständige Rücknahme des Gesetzes und einen Straferlass für angeklagte Demonstranten. Mehr als 700 Menschen wurden bislang festgenommen.

Die chinesische Regierung drohte den Demonstranten zuletzt immer unverhohlener. Erst hatte sie die Proteste für mehr Demokratie einfach verschwiegen, mittlerweile bringt sie die Demonstranten mit "Terrorismus" in Verbindung und schickt Truppen an die Grenze. Inzwischen wächst die Angst vor einem chinesischen Militäreinsatz.


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