12.08.2019, 16:30 Uhr

Oslo (AFP) 21-Jähriger nach Angriff auf Moschee bei Oslo in Untersuchungshaft


Polizei erhebt Terrorismus-Verdacht - Beschuldigter weist Vorwürfe zurück

Nach dem Angriff auf eine Moschee in einem Osloer Vorort hat ein Gericht am Montag vier Wochen Untersuchungshaft für den 21-jährigen Verdächtigen verhängt. Der Richter ordnete für die ersten beiden Wochen Isolationshaft an, nachdem die Polizei einen offiziellen Terrorismusverdacht gegen Philip Manshaus erhoben hatte. Manshaus wird zudem des Mordes und des versuchten Mordes verdächtigt, wie die Polizei mitteilte. Nach Angaben seiner Anwältin weist er alle Vorwürfe zurück.

Manshaus wurde am Nachmittag dem Richter vorgeführt. Er betrat den Gerichtssaal in dunkler Kleidung und mit kurz geschnittenen Haaren und lächelte in die Kameras. Er hatte Hämatome an beiden Augen sowie Schrammen und weitere blaue Flecken im Gesicht, an Nacken und Händen. Die Verletzungen stammten wahrscheinlich vom Angriff auf die Moschee, bei dem er von einem Moschee-Besucher überwältigt worden war.

Dem 21-Jährigen wird ein "versuchter Terroranschlag" zur Last gelegt. Gemäß norwegischem Recht kann eine Anklage erst auf einen offiziellen Verdacht erfolgen. Manshaus habe um Freilassung gebeten, sagte seine Anwältin Unni Fries nach der Anhörung. Das Gericht ordnete aber vier Wochen Untersuchungshaft an, davon zwei in Isolationshaft. Die Polizei hatte eine vierwöchige Isolationshaft gefordert.

Der mutmaßlich rechtsextreme Norweger war am Samstag mit mindestens zwei Schusswaffen in eine Moschee in einem Vorort von Oslo eingedrungen. Ein 65-jähriger Besucher der Al-Nur-Moschee in Bärum konnte den Angreifer überwältigen und wurde dabei leicht verletzt. Der Angreifer wurde festgenommen.

Der junge Mann wird zudem verdächtigt, vor dem Angriff auf die Moschee seine 17-jährige Stiefschwester getötet zu haben. Ihre Leiche wurde in seiner Wohnung gefunden. Medienberichten zufolge war sie chinesischer Herkunft und von der aktuellen Partnerin des Vaters adoptiert worden.

Der Einsatzleiter der Polizei in Oslo, Rune Skjold, hatte am Sonntag gesagt, nach derzeitigem Ermittlungsstand habe der Verdächtige "rechtsextreme" und "fremdenfeindliche" Einstellungen.

Nach Berichten norwegischer Medien stellte der 21-Jährige wenige Stunden vor dem Angriff einen Text in ein Online-Forum, in dem von einem "Krieg der Rassen" die Rede ist, der von der digitalen Welt "ins wirkliche Leben" übertragen werden solle. Zudem soll der Verdächtige sich in dem Forum auf den Attentäter von Christchurch in Neuseeland berufen haben, der bei Angriffen auf zwei Moscheen im März 51 Menschen getötet hatte.

Norwegens Inlandsgeheimdienst PST gab an, "vor etwa einem Jahr" einen Hinweis auf Manshaus bekommen zu haben. Dieser sei aber "ziemlich vage" gewesen und habe nicht auf einen drohenden terroristischen Anschlag hingedeutet. Die Polizei erklärte, vor dem versuchten Schusswaffenangriff am Samstag in Kontakt mit dem mutmaßlichen Täter über dessen Online-Forenbeiträge gewesen zu sein.

Der Angriff auf die Moschee in Bärum am Vorabend des Islamischen Opferfests Eid al-Adha schürte Ängste unter Norwegens muslimischer Bevölkerung und weckte im ganzen Land Erinnerungen an die Attentate des Rechtsextremen Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 77 Menschen getötet hatte. Der Vorfall reiht sich zudem ein in eine steigende Zahl von rassistisch motivierten Anschlägen weltweit.

Norwegens konservative Regierungschefin Erna Solberg bekräftigte am Sonntag, dass die rund 200.000 Muslime im Land auf die Unterstützung der Regierung zählen könnten. An Solbergs Regierungskoalition ist auch die populistische Fortschrittspartei beteiligt, die wegen fremdenfeindlicher Äußerungen ihrer Vertreter immer wieder in der Kritik steht.


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