09.08.2019, 10:46 Uhr

Wiesbaden (AFP) Deutsche Exporte im Juni stark zurückgegangen

Logo mit der Aufschrift "Made in Germany". Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand)Logo mit der Aufschrift "Made in Germany". Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Karl-Josef Hildenbrand)

Im ersten Halbjahr insgesamt nur Wachstum um ein halbes Prozent

Die Handelsstreitigkeiten und politischen Krisen weltweit drücken auf die Ausfuhren der deutschen Unternehmen: Im ersten Halbjahr legten die Exporte aus Deutschland in die Welt nur um 0,5 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im Juni sanken die Exporte sogar um 8,0 Prozent im Vorjahresvergleich. "Die konjunkturelle Lage droht noch schlimmer zu werden", warnte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Der Bundesverband Außenhandel dagegen appellierte, "keine Krise herbeizureden".

Waren im Wert von rund 666 Milliarden Euro exportierten die deutschen Unternehmen von Januar bis Juni. Im Vorjahreszeitraum hatte der Wert nur leicht darunter gelegen: 662,5 Milliarden Euro. Das geringe Wachstum im ersten Halbjahr 2019 liege "noch unter unseren ohnehin bescheidenen Erwartungen", erklärte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann.

Die Ausfuhren in die EU gingen dabei um 0,2 Prozent zurück. Die Exporte in Drittländer kletterten dagegen noch um 1,7 Prozent auf rund 270 Milliarden Euro, die in die Eurozone stiegen um 0,5 Prozent auf rund 252 Milliarden Euro.

Im Juni allein brachen die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU um 10,7 Prozent ein, wie die Statistiker in Wiesbaden mitteilten. Die Exporte in die Eurozone gingen um 5,6 Prozent zurück, die in die gesamte EU um 6,2 Prozent.

Dieser "deutliche Dämpfer" der Ausfuhren im Juni sei nicht überraschend, erklärte der BDI. Die eskalierenden Handels- und Währungskonflikte vergrößerten die Unsicherheit in der Wirtschaft. Das bremse den Außenhandel und trübe das weltwirtschaftliche Wachstum erheblich. "Eine Besserung der Lage zeichnet sich derzeit nicht ab."

Die Zahlen der Statistiker seien "auch ein Appell an Europa", erklärte BGA-Präsident Bingmann. "Unsere europäischen Nachbarländer sind unsere wichtigsten Handelspartner. Nur gemeinsam können wir stark sein und nur wenn wir stark sind, nimmt man uns in der Welt als gleichberechtigten Partner wahr, der auch nach seinen Wünschen Akzente setzen kann."

Im Jahresverlauf waren die Exporte jeweils im Vorjahresvergleich im Januar, Februar und März noch gewachsen. Im April gingen sie leicht um 0,2 Prozent zurück, im Mai nahmen sie wieder um 4,6 Prozent zu. Im Juni gingen die Ausfuhren nun um 8,0 Prozent auf rund 106 Milliarden Euro zurück.

Auch die Importe sanken im Juni stark, und zwar um 4,4 Prozent auf 89,3 Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten nahmen sie insgesamt noch um 3,0 Prozent auf insgesamt rund 556 Milliarden Euro zu.

BGA-Präsident Bingmann erklärte, "die vielen Risiken konnten die Außenhändler bislang gut abfedern". Es zeichne sich jedoch immer deutlicher ab, dass dies nicht über das gesamte Jahr gelingen werde. "Zu groß sind einfach die Anzeichen für einen weltweiten konjunkturellen Abschwung, zu schwer wiegen Handelskonflikte und Wirtschaftsnationalismus, der sich immer weiter ausbreitet."

Die Bundesregierung müsse nun zeigen, dass sie "die Zeichen der Zeit erkennt", erklärte der BDI. Er forderte, der Staat müsse nun Investitionen und Innovationen ankurbeln. Spielräume für zusätzliche Ausgaben seien nach wie vor vorhanden. Auch der BGA forderte "Akzente" der großen Koalition, etwa eine Unternehmensteuerreform.


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