07.08.2019, 19:20 Uhr

Dayton (AFP) Trump mit Protesten in Dayton empfangen

Proteste gegen Trump in Dayton. Quelle: AFP/Megan JELINGER (Foto: AFP/Megan JELINGER)Proteste gegen Trump in Dayton. Quelle: AFP/Megan JELINGER (Foto: AFP/Megan JELINGER)

US-Präsident besucht Opfer von Schusswaffenattacke im Krankenhaus

Vier Tage nach der Schusswaffenattacke in Dayton ist US-Präsident Donald Trump in der Stadt im Bundesstaat Ohio mit Protesten empfangen worden. Während Trump und seine Frau Melania am Mittwoch Überlebende im Krankenhaus besuchten, demonstrierten in Dayton mehrere hundert Menschen für schärfere Waffengesetze und ein Verbot von Sturmgewehren. Trump will sich nach eigenen Angaben aber nur für strengere Überprüfungen von Waffenkäufern einsetzen. Rassismus-Vorwürfe wies er erneut zurück.

Die Trumps trafen am frühen Nachmittag (Ortszeit) in Dayton ein, wo ein 24-Jähriger am Wochenende neun Menschen getötet hatte, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Sie besuchten das Miami Valley Hospital, in dem einige der Verletzten der Schusswaffenattacke behandelt werden. Trump habe im Gespräch mit Überlebenden gesagt, dass Gott auf sie "aufgepasst" habe, erklärte seine Sprecherin Stephanie Grisham.

In der Nähe der Klinik gingen hunderte Demonstranten gegen Trumps Besuch auf die Straße. Sie hatten unter anderem einen riesigen Ballon dabei, der Trump als grimmiges Baby zeigt. Ein solcher Ballon wurde schon bei zahlreichen Kundgebungen gegen Trump auf der ganzen Welt gezeigt. Auf Plakaten forderten die Demonstranten den Präsidenten auf, sich der Waffenlobby NRA entgegenzustellen und den Verkauf von Sturmgewehren zu verbieten.

Kurz vor seiner Abreise nach Dayton hatte Trump einem solchen Verbot allerdings eine Absage erteilt. Dafür gebe es in Washington derzeit keine politische Mehrheit, sagte er vor Journalisten in Washington. Gute Chancen sieht Trump dagegen für strenge Überprüfungen von Waffenkäufern. Der "Appetit" auf strengere Hintergrundüberprüfungen in Washington sei "groß", sagte Trump. "Ich will psychisch instabilen Menschen keine Waffen in die Hand geben, oder Menschen mit Wut und Hass, oder kranken Menschen."

Nach seinem Besuch in Dayton wollte Trump auch noch die Stadt El Paso in Texas besuchen. Wenige Stunden vor dem Angriff in Dayton hatte ein 21-Jähriger in der Stadt an der Grenze zu Mexiko 22 Menschen erschossen. Die Ermittler vermuten hier ein rassistisches Motiv. Mehrere Politiker aus der Region wandten sich im Vorfeld gegen Trumps Besuch in El Paso.

Die beiden Schusswaffenattacken hatten die Rassismus-Debatte um Trump neu angeheizt. Der Präsident hatte nach den Angriffen zwar ungewohnt deutlich Rassismus und die Ideologie weißer Vorherrschaft verurteilt. Kritiker werfen ihm jedoch vor, selbst mit seiner aggressiven Rhetorik Rassismus und Gewalt zu schüren.

Trump wies die Vorwürfe am Mittwoch erneut zurück und unterstellte seinen Kritikern politisches "Kalkül. Meine Kritiker sind politisch denkende Menschen, sie versuchen, daraus Profit zu schlagen", sagte Trump in Washington. In vielen Fällen handele es sich um potenzielle Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl 2020. Zugleich bestritt Trump, mit seiner Rhetorik das politische Klima in den USA anzuheizen: "Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen."

Ex-Vizepräsident Joe Biden sagte dagegen, Trump habe mit ein- und zweideutigen Äußerungen "die Flammen der weißen Vorherrschaft angefacht". Trump könne keine "moralische" Führungsrolle übernehmen und er habe auch gar kein Interesse daran, das Land zu einen, sagte Biden, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt, bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Iowa. Stattdessen verfolge er ganz offen eine "politische Strategie von Hass, Rassismus und Spaltung".


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