07.08.2019, 15:22 Uhr

Islamabad (AFP) Pakistan weist im Kaschmir-Konflikt indischen Botschafter aus

Sicherheitskräfte an einer Straßensperre in Kaschmir. Quelle: AFP/Rakesh BAKSHI (Foto: AFP/Rakesh BAKSHI)Sicherheitskräfte an einer Straßensperre in Kaschmir. Quelle: AFP/Rakesh BAKSHI (Foto: AFP/Rakesh BAKSHI)

Auch Handel mit Indien wird ausgesetzt - Demonstrant stirbt auf Flucht vor Polizei

Im neu entbrannten Konflikt um Kaschmir weist Pakistan den indischen Botschafter aus. Wie die Regierung in Islamabad am Mittwoch mitteilte, wird auch der Handel mit Indien ausgesetzt. Die Regierung in Neu Delhi hatte dem indischen Teil der umstrittenen Region zuvor die Autonomierechte entzogen. Trotz einer Ausgangssperre gab es in Stadt Srinagar Proteste. Am Mittwoch starb ein Demonstrant auf der Flucht vor der Polizei.

Die indische Regierung hatte am Montag per Dekret den in der Verfassung festgelegten Sonderstatus für den von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs beendet. Die auch in Indien umstrittene Aufhebung der Autonomierechte befeuerte die Spannungen in der Region. Pakistan, das ebenfalls Anspruch auf die gesamte Region erhebt, verurteilte den Schritt als "illegal" und kündigte eine Reaktion an.

Am Mittwoch teilte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi mit, der indische Hochkommissar in Islamabad werde nach Neu Delhi "zurückgeschickt". Gleichzeitig werde Pakistan seinen Botschafter aus Neu Delhi zurückrufen.

Die Regierung in Islamabad kündigte zudem an, den Handel mit Indien auszusetzen. Das Nationale Sicherheitskomitee habe bei einem Treffen unter der Leitung von Premierminister Imran Khan beschlossen, die diplomatischen Beziehungen zu Indien herabzustufen und den Handel mit dem Nachbarland auszusetzen. Zudem sollen bilaterale Vereinbarungen mit Indien überprüft und der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet werden. Khan forderte das pakistanische Militär den Angaben zufolge auf, seine "Wachsamkeit" beizubehalten.

In der Stadt Srinigar, die im Sommer die Hauptstadt des indischen Bundesstaats Jammu und Kaschmir ist, herrschte am Mittwoch eine gespenstische Stille, die nur von sporadischen Schüssen und dem Gedonner gepanzerter Fahrzeuge unterbrochen wurde. Die indische Polizei führt an, die Lage in Kaschmir sei seit der Verhängung der Ausgangssperre am Sonntag weitgehend friedlich. Es habe nur vereinzelt Steinwürfe gegeben.

Nach Angaben von Bewohnern gibt es in Srinigar aber trotz der Ausgangssperre immer wieder Proteste. Am Mittwoch wurde auch ein erster Todesfall bekannt: Ein Demonstrant, der gegen die Ausgangssperre verstoßen hatte, starb nach Angaben aus Polizeikreisen auf der Flucht vor der Polizei. Ein Polizeibeamter sagte, der Jugendliche sei in den Fluss Jhelum gesprungen und gestorben.

Der Vorfall ereignete sich in der Altstadt von Srinagar, die bereits in den vergangenen Jahrzehnten ein Zentrum der Proteste gegen Indien war. Mindestens sechs weitere Menschen wurden nach Angaben des Polizeibeamten mit Schusswunden und anderen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Wie die indische Nachrichtenagentur PTI berichtete, wurden zudem bislang mehr als hundert Menschen festgenommen, darunter Politiker und Aktivisten.

In Kaschmir gibt es immer wieder Spannungen. Die Himalaya-Region ist seit der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien im Jahr 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten zur Gänze beansprucht. Die beiden Atommächte führten bereits zwei Kriege um die Region. Seit 1989 kämpfen mehrere muslimische Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss der Region an Pakistan.


0 Kommentare