03.08.2019, 16:28 Uhr

Hongkong (AFP) Polizei in Hongkong setzt Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein


Mehrere Festnahmen bei Anti-Regierungs-Protesten in beliebtem Touristenviertel

Die Konfrontation zwischen Regierungskritikern und den pekingtreuen Behörden in Hongkong spitzt sich immer weiter zu. Die Polizei ging am Samstag im bei Touristen beliebten Viertel Tsim Sha Tsui mit Tränengas und Schlagstöcken gegen regierungskritische Demonstranten vor. Trotz schärfer werdender Warnungen aus Peking hatten sich auch in der neunten Woche der beispiellosen Massenproteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone zehntausende Menschen zu Protesten gegen die Regierung versammelt.

Mehrere hundert Demonstranten besetzten eine Polizeiwache in der Nähe des belebten Hafens von Tsim Sha Tsui. Maskierte Demonstranten zerschlugen die Fensterscheiben geparkter Polizeiautos und beschmierten Wände mit Graffiti. Polizisten mit Gasmasken und Schutzschilden setzten Tränengas gegen die Demonstranten ein. Mehrere Protestteilnehmer wurden festgenommen. Auch am Abend ereigneten sich noch Zusammenstöße zwischen der Polizei und kleineren gewaltbereiten Protestgruppen.

Stunden zuvor waren im Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone erneut zehntausende Hongkonger gegen die pekingtreue Führung Hongkongs unter Regierungschefin Carrie Lam auf die Straße gegangen. Die Kundgebung war zunächst von der Polizei untersagt worden, musste aber letztlich zugelassen werden.

Mit Protestrufen und Graffiti riefen die Demonstranten zu einem erneuten stadtweiten Massenprotest am Montag auf. Auch für Sonntag waren zwei Demonstrationszüge angekündigt. "Je mehr uns die Regierung unterdrückt, desto mehr gehen wir auf die Straße - so lange, bis die Regierung auf unsere Forderungen reagiert", sagte der 36-jährige Demonstrant Ah Kit der Nachrichtenagentur AFP.

Derweil demonstrierten mehrere tausend Regierungsanhänger in einem Hongkonger Park. Sie schwenkten chinesische Flaggen und riefen Losungen zur Unterstützung der Polizei.

In den vergangenen beiden Wochen hat die Gewalt auf Seiten von Demonstranten und Polizei zugenommen. Die seit zwei Monaten andauernden Proteste in Hongkong waren durch ein später zurückgezogenes Auslieferungsgesetz ausgelöst worden, das die Überstellung von Verdächtigen an das chinesische Festland erlaubt hätte. Später weiteten sie sich zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong aus. Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Regierungschefin Lam und demokratische Reformen.

Zuletzt schlugen die Behörden eine härtere Linie gegen die Demokratiebewegung ein. Dutzende Demonstranten und Aktivisten wurden in dieser Woche festgenommen. Auch Peking verurteilt die Demonstrationen in zunehmend scharfem Ton und stellt sie als vom Westen finanzierte regierungsfeindliche Proteste dar.

Die chinesische Volksbefreiungsarmee hatte zudem kürzlich in einem Video aus ihrer Hongkonger Garnison gewarnt, sie habe alle "Einsatzmöglichkeiten", um die Sicherheit in der Sonderverwaltungszone und Chinas "nationale Souveränität" aufrechtzuerhalten. Die Proteste in Hongkong bezeichnete die Armee als "nicht tolerierbar".

China hatte London bei der Übergabe Hongkongs im Jahr 1997 zugesichert, dass in der ehemaligen britischen Kolonie Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit für mindestens 50 Jahre gewahrt blieben. Hongkongs wiedererstarkte Oppositionsbewegung wirft der Regierung vor, die als "Ein Land, zwei Systeme" bekannte Regelung zunehmend zu unterlaufen.


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