01.08.2019, 11:51 Uhr

Washington (AFP) Trump kritisiert Leitzinssenkung der Fed als unzureichend

Fed-Chef Powell verlässt die Pressekonferenz am 31. Juli. Quelle: AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS (Foto: AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS)Fed-Chef Powell verlässt die Pressekonferenz am 31. Juli. Quelle: AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS (Foto: AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS)

Analysten und Wall Street vermissen klaren Kurs der Notenbank

Die Leitzinssenkung in den USA reicht Präsident Donald Trump noch lange nicht: Er verlangte nach der Entscheidung der Notenbank Fed am Mittwoch einen "aggressiven Zyklus von Zinssenkungen". Nur so könnten die USA mit China, der EU und anderen Ländern Schritt halten. Analysten kritisierten die Begründung der Zinssenkung durch Zentralbankchef Jerome Powell als unklar.

Die Federal Reserve senkte den Leitzins zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008. Sie setzte die Rate um 0,25 Punkte herab auf eine Spanne von nun 2,0 bis 2,25 Prozent.

Powell erklärte, dies sei eine "Versicherung" gegen die Zukunft: Es herrschten "Unsicherheiten" hinsichtlich der Weltwirtschaftsentwicklung. Auch sei die Inflation weiterhin schwach.

Im Vergleich zur letzten Erklärung der Fed vor sechs Wochen hat sich allerdings wenig geändert. Powell bezeichnete das Wirtschaftswachstum auf Nachfragen von Journalisten am Mittwoch denn auch als "nahe am Erwünschten", die Aussichten seien "ebenfalls gut". Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um solide 2,1 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt mit 3,7 Prozent nah am tiefsten Stand seit 50 Jahren. Die Inflationsrate stagniert bei 1,4 Prozent.

Konfusion erzeugte der Notenbankchef aber vor allem mit seiner Aussage, die Fed habe mit der Zinssenkung am Mittwoch keinen "langen Zyklus" von Senkungen gestartet - gleichzeitig erklärte er, weitere Zinssenkungen seien nicht ausgeschlossen.

"Die Fed machte den Eindruck eines steuerlosen Schiffs, ohne Plan", erklärte Stephen Innes von VM Market. Sie habe lediglich "nicht mehr als nötig" getan, um der Erwartung der Märkte zu entsprechen. Auch Tim Drayson vom Vermögensverwalter LGIM kritisierte die "fehlende Forward Guidance".

Dies zeige sich auch in der fehlenden Einstimmigkeit der Entscheidung: Zwei der acht Mitglieder im zuständigen Fed-Ausschuss stimmten gegen die Zinssenkung. Esther George von der Federal Reserve des Bundesstaats Kansas und Eric Rosengren aus Boston erklärten, sie hätten es "bevorzugt, die Zinsspanne bei 2,25 bis 2,5 Prozent zu belassen".

Auch an der Wall Street zeigte sich die Unsicherheit, wie die Äußerungen Powells zu interpretieren seien: Der Leitindex Dow Jones fiel bis Handelsschluss um fast 500 Punkte. Normalerweise steigen die Kurse, wenn die Zinsen sinken, weil Aktien dann im Vergleich zu Staatsanleihen attraktiver werden.

Trump drängt die Notenbank seit Monaten zu einer Zinssenkung. Er verspricht sich davon steigende Aktienkurse, eine Senkung der öffentlichen Verschuldung sowie günstigere Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Fed-Chef Powell wies entschieden zurück, die Notenbank habe den Forderungen Trumps nachgegeben. "Wir berücksichtigen niemals politische Überlegungen", sagte er. Und: "Wir machen keine Geldpolitik, um unsere Unabhängigkeit zu beweisen."

Der ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann schrieb, Trump sei tatsächlich der Grund für die Zinswende - sie sei nämlich die Reaktion auf seine "hochgradig schädliche Handelspolitik". Anders als die Europäische Zentralbank habe sich die Fed in den vergangenen Jahren durch entschlossene Zinserhöhungen Spielraum in der konventionellen Zinspolitik erarbeitet, lobte er: "Diesen nutzt sie jetzt in nachvollziehbarer Weise, um ihrem doppelten Mandat – Preisstabilität und Wirtschaftswachstum - gerecht zu werden."


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