01.08.2019, 11:01 Uhr

Detroit (AFP) Biden auch bei bei zweiter Debatte der Demokraten hart attackiert


Ex-Vizepräsident und Senatorin Harris erneut im Clinch

Auch in der zweiten TV-Debatte der Präsidentschaftsbewerber der oppositionellen US-Demokraten ist der frühere Vizepräsident Joe Biden massiv attackiert worden. Seine parteiinternen Rivalen kritisierten den 76-Jährigen am Mittwochabend (Ortszeit) auf einer ganzen Reihe von Politikfeldern, von der Einwanderungspolitik über das Strafrecht bis hin zu seinem einstigen Umgang mit Befürwortern der Rassentrennung. Der Politik-Veteran trat aber selbst deutlich kämpferischer als bei der ersten Debatte Ende Juni auf.

Im breiten Feld der 24 demokratischen Bewerber, die bei der Wahl im November 2020 gegen Präsident Donald Trump antreten wollen, liegt Biden derzeit in den Umfragen weit vorn. Der zum moderaten Flügel der Partei zählende frühere Vizepräsident und langjährige Senator liegt bei rund 32 Prozent. Hinter ihm folgen die linksgerichteten Senatoren Bernie Sanders (rund 16 Prozent) und Elizabeth Warren (etwa 14 Prozent).

Seine Favoritenrolle macht Biden zu einem bevorzugten Ziel von Angriffen nicht nur Trumps, sondern auch seiner internen Konkurrenten. Besonders hart geriet Biden in der zweiten Debatte in Detroit abermals mit der Senatorin Kamala Harris aneinander. Wie schon im Juni ging es dabei erneut unter anderem um Bidens Zusammenarbeit vor Jahrzehnten mit Politikern, welche für die Rassentrennung eintraten.

"Wenn diese Befürworter der Rassentrennung sich durchgesetzt hätten, wäre ich heute nicht Senatorin", sagte die afroamerikanische Politikerin. Und Barack Obama - der erste schwarze Präsident der USA - "hätte Sie nicht nominieren können".

Schon in der ersten Debatte hatte Harris durch ihre Attacken auf Biden viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Unmittelbar vor Beginn der zweiten Debatte wandte sich der Ex-Vizepräsident dann an diese Kontrahentin, schüttelte ihre Hand und sagte: "Sei nicht zu hart zu mir, Kind" - was aber Harris keineswegs zur Zurückhaltung bewegte.

Biden wehrte sich aber diesmal wesentlich energischer gegen die Angriffe als in der ersten Debatte. Er attackierte seinerseits Harris' Plan für eine Gesundheitsreform, der eine deutliche Ausweitung der staatlichen Krankenversicherung Medicare vorsieht. Ihr Plan werde zehn Jahre brauchen, um Wirkung zu zeigen, argumentierte er.

Hart angegangen wurde Biden auch von anderen Mitbewerbern. Der afroamerikanische Senator Cory Booker kritisierte ihn wegen seiner früheren harten Linie beim Strafvollzug. Er gab Biden eine Mitschuld daran, dass Straftäter wegen kleinerer Drogendelikte "jetzt lebenslänglich im Gefängnis sind".

Kritisiert wurde Biden auch dafür, dass er als Senator zu Zeiten von Ex-Präsident George W. Bush die US-Invasion im Irak unterstützt hatte. Er räumte ein, damals einer "Fehleinschätzung" erlegen zu sein.

Biden wandte sich seinerseits gegen Forderungen von Parteikollegen, den illegalen Grenzübertritt in die USA zu entkriminalisieren. "Wer illegal einreist, muss ausgewiesen werden können. Das ist eine Straftat." Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Einwanderungspolitik ein zentrales Thema des Präsidentschaftswahlkampfes sein wird. Trump will dabei erneut mit seiner rigorosen Linie gegen die illegale Einwanderung punkten.

Im internen Wettkampf der demokratischen Präsidentschaftsbewerber geht es vor allem auch um die Frage, mit welcher Grundausrichtung die Partei in den Kampf gegen Trump ziehen soll. Biden steht für einen moderaten Kurs, mit dem Wähler der Mitte in als wahlentscheidend geltenden Bundesstaaten des Mittleren Westens gewonnen werden sollen. Viele seiner Mitbewerber wollen aber mit einem dezidiert linken Kurs auf scharfe Opposition zu Trump gehen.

Die US-Vorwahlen zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten beginnen Anfang Februar im Bundesstaat Iowa. Die Vorwahlen ziehen sich bis Juni hin. Die Demokraten küren ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin gegen Trump dann offiziell bei einem Parteitag Mitte Juli 2020.


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