30.07.2019, 08:10 Uhr

Berlin (AFP) Diskussion über Sicherheit an Bahnhöfen nach tödlicher Attacke von Frankfurt

Blumen am Tatort im Frankfurter Hauptbahnhof. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Frank Rumpenhorst)Blumen am Tatort im Frankfurter Hauptbahnhof. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Frank Rumpenhorst)

Forderungen nach mehr Polizei, Videoüberwachung oder Zugangssperren

Nach dem Tod eines vor einen Zug gestoßenen Kindes in Frankfurt am Main wird über die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen diskutiert. Politiker und Polizeigewerkschafter schlugen mehr Sicherheitsmaßnahmen und eine stärkere Präsenz der Polizei vor. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) unterbrach seinen Urlaub, um Gespräche mit Sicherheitsbehörden über die tödliche Attacke von Frankfurt und andere Gewalttaten der jüngsten Zeit zu führen. Am Nachmittag will er sich vor der Presse äußern.

Der SPD-Verkehrspolitiker Martin Burkert bemängelte in der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen. Zudem fehle es an den Bahnhöfen generell an Bundespolizisten. Einen Umbau der Bahnhöfe halte er aber nicht für nötig, sagte Burkert. "Es würde erstmal reichen, wenn wieder Normalität durch Polizei und Aufsicht geschaffen würde."

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte aber, solch "grauenhafte Verbrechen" würden sich nicht durch mehr Polizisten verhindern lassen. Radek fordert stattdessen, "über den Einbau technischer Sperren zu diskutieren, die den Zugang zu Gleisen erst ermöglichen, wenn der Zug bereits steht". Solche Vorrichtungen gebe es etwa an bestimmten Gleisen in Londoner Bahnhöfen.

Solche Überlegungen stießen aber auf Vorbehalte. Die Deutsche Bahn erklärte gegenüber "Bild", die Forderungen, Bahnsteige nur noch für Ticketinhaber betretbar zu machen, seien zwar nachvollziehbar. Dies würde aber hunderte Millionen Euro kosten und zu Schlangen an den Bahnsteigen führen. Auch der Fahrgastverband "Pro Bahn" erklärte, eine solche Forderung sei "logistisch kaum umzusetzen".

Auch die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, die saarländische Ressortchefin Anke Rehlinger (SPD), zeigte sich skeptisch. "Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstagsausgaben). "Deshalb sollte man auch nicht den Anschein erwecken, irgendeine Sicherheitsmaßnahme könnte das garantiert verhindern."

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst sagte der "Bild"-Zeitung, eine "noch gezieltere Videoüberwachung und mehr Sicherheitspersonal auf den Bahnhöfen" würden das Sicherheitsniveau erhöhen. Absolute Sicherheit werde es aber nie geben.

Die Grünen-Verkehrspolitikerin Valerie Wilms rief Fahrgäste dazu auf, sich niemals zu nah an ein Gleis begeben. "Wenn sich alle an die Regeln halten, reichen diese Maßnahmen für eine sichere Benutzung der Bahnsteige aus", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Ein Mann hatte am Montagvormittag am Frankfurter Hauptbahnhof einen Achtjährigen und seine Mutter ohne erkennbares Motiv vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind starb, die Mutter konnte sich retten. Politiker äußerten sich parteiübergreifend entsetzt. Der mutmaßliche Täter, ein 40-jähriger eritreischer Staatsbürger, wurde nach kurzer Flucht von Passanten überwältigt.

Das Motiv des mutmaßlichen Täters war am Dienstag weiter unklar. Der Mann sollte im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.


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