25.07.2019, 11:24 Uhr

Wiesbaden (AFP) Einwohner Bremens am stärksten von Armut bedroht

Obdachloser in Bremen. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Carmen Jaspersen (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Carmen Jaspersen)Obdachloser in Bremen. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Carmen Jaspersen (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Carmen Jaspersen)

Besonders hohes Armutsrisiko bei Alleinerziehenden

Die Einwohner Bremens sind im vergangenen Jahr im Ländervergleich am häufigsten von Armut bedroht gewesen. 22,7 Prozent der Bevölkerung waren gefährdet, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag auf Basis des sogenannten Mikrozensus mitteilte. Am geringsten war das Risiko in Bayern, dort waren 11,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Vor allem Alleinerziehende sind laut den Statistikern armutsgefährdet.

Hinter Bremen folgten 2018 Mecklenburg-Vorpommern mit 20,9 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 19,5 Prozent und Berlin mit 18,2 Prozent als Bundesländer mit den höchsten Armutsgefährdungsquoten. Auch wenn die Zahlen im Schnitt im Osten etwas höher lagen als im Westen, näherten sich die Armutsquoten seit 2005 an. Damals waren im Westen ohne Berlin 13,2 Prozent der Bevölkerung gefährdet, im Osten mit Berlin 20,4 Prozent. 2018 glichen sich die Werte auf 17,5 Prozent im Osten mit Berlin und 15 Prozent im Westen ohne Berlin an.

Verglichen mit 2005 sank das Armutsrisiko in einigen Bundesländern. Dazu gehören vor allem Länder im Osten wie Brandenburg mit einem Rückgang von 19,2 auf 15,2 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit einer Absenkung von von 24,1 auf 20,9 Prozent. Im Westen stiegen die Werte hingegen in einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen mit einer Zunahme von 14,4 auf 18,1 Prozent an.

Das höchste Risiko, in Armut zu fallen, tragen Alleinerziehende und ihre Kinder. 40,4 Prozent von ihnen im Westen und 44,5 Prozent im Osten waren 2018 armutsgefährdet. Regional gibt es große Unterschiede: Während in Berlin 34,1 Prozent der Alleinerziehenden gefährdet waren, waren es in Mecklenburg-Vorpommern 56,1 Prozent.

Die Grünen-Bundestagsfraktion erklärte angesichts der Zahlen, auch wenn sich die neuen und die alten Bundesländer langsam annäherten, sei "das Niveau insgesamt immer noch viel zu hoch". "Ziel muss sein, Armut in einem reichen Land wie Deutschland nach und nach ganz zu beseitigen", erklärte der arbeitsmarktpolitische Sprecher Wolfgang Strengmann-Kuhn. "Die Bundesregierung lehnt sich aber weiter entspannt zurück und beruft sich immer wieder auf die guten ökonomischen Rahmendaten."

"Die soziale Spaltung von Ost und West ist auch an den Armutsquoten ablesbar", erklärte die Chefin der Linkspartei, Katja Kipping. Es brauche "endlich gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West sowie eine konsequente Politik zur Abschaffung der Armut". Die bisherigen Regierungen "haben diesbezüglich versagt", urteilte Kipping.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, es sei "skandalös, dass Alleinerziehende besonders armutsgefährdet sind". Umso wichtiger sei es, "dass sie ihre Rechte kennen und nutzen", fügte die DGB-Vizechefin Elke Hannack hinzu. "Seit Anfang Juli könnten auch Alleinerziehende den verbesserten Kinderzuschlag beantragen, den es unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich zum Kindergeld gibt - je nach verfügbarem Einkommen bekommt sie bis zu 185 Euro pro Kind und Monat zusätzlich zum Kindergeld."


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