23.07.2019, 13:38 Uhr

Paris (AFP) Greta Thunberg sieht sich nicht als "Guru der Apokalypse"

Klima-Aktivistin Greta Thunberg in Paris. Quelle: AFP/Lionel BONAVENTURE (Foto: AFP/Lionel BONAVENTURE)Klima-Aktivistin Greta Thunberg in Paris. Quelle: AFP/Lionel BONAVENTURE (Foto: AFP/Lionel BONAVENTURE)

Schwedische Klima-Aktivistin weist Kritiker im französischen Parlament in die Schranken

Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg hat sich gegen Kritik gewehrt, sie sei ein "Guru der Apokalypse" und verbreite Angst und Schrecken. In einer Rede im französischen Parlament sagte die 16-jährige Schülerin am Dienstag an Politiker und Journalisten gerichtet: "Ihr müsst uns nicht zuhören. Aber Ihr müsst der Wissenschaft zuhören. Das ist alles, was wir verlangen." Politiker aus dem rechten Lager hatten zu einem Boykott der Veranstaltung aufgerufen und schwere Vorwürfe gegen Thunberg erhoben.

Die junge Schwedin sagte in ihrer rund 30-minütigen Rede, sie und die jungen Mitglieder ihrer Bewegung Fridays for Future seien mit "unglaublichem Hass und Drohungen" konfrontiert. Viele Politiker, Journalisten und Unternehmer argumentierten: "Wir sind Kinder, wir übertreiben, wir sind alarmistisch." Dabei gäben sie nur die Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC wieder. Dessen Forscher hätten alle Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels beschrieben. Deshalb sei es nun endlich Zeit zu handeln.

Abgeordnete aus den Reihen der Konservativen Partei Les Républicains von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy sowie der Rechtspopulisten blieben Thunbergs Ansprache fern. Sie hatten die Schülerin als "Guru der Apokalypse" und "Nobelpreisträgerin der Angst" bezeichnet.

Der Europaabgeordnete der rechtspopulistischen Nationalen Sammlungsbewegung, Jordan Bardella, sprach von einer "Gefühls-Diktatur" und einer "neuen Form von Totalitarismus", die von Thunberg ausgehe. Die Schwedin werde zu einer "Johanna von Orléans des Klimas" hochstilisiert, kritisierte der Politiker der früheren Front National im Sender France 2.

Die UN-Klimaexpertin Valérie Masson-Delmotte nannte die Vorwürfe "nichtig" und nahm Greta Thunberg in Schutz. Das rechte Lager in Frankreich versuche, mit der Schülerin die Überbringerin der schlechten Nachricht zu treffen. Der Klimawandel sei aber ein weltweites Problem. Daher sei es nötig, endlich "über Lösungen zu reden", forderte sie.

Thunberg nahm auch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron von ihrer Kritik nicht aus, der die Europäische Union auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 verpflichten will. "Meine Botschaft ist dieselbe für alle Politiker, Premierminister und Präsidenten", sagte Thunberg zur Frage einer Journalistin, ob in Frankreich genug für den Umweltschutz getan werde.

Auf Thunberg geht die Bewegung Fridays for Future zurück. Jeden Freitag demonstrieren unter diesem Motto junge Menschen in vielen Ländern gegen ausbleibende Klimaschutzmaßnahmen. Vergangene Woche war Thunberg zu Gast bei der Berliner Kundgebung.


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