23.07.2019, 11:21 Uhr

Bayreuth (AFP) Geständnis im Prozess um Mord an Tramperin Sophia L.

Landgericht Bayreuth. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Daniel Karmann (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Daniel Karmann)Landgericht Bayreuth. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Daniel Karmann (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Daniel Karmann)

Lastwagenfahrer bestreitet vor Landgericht Bayreuth Mordmotiv

Zum Auftakt des Prozesses um den bundesweit beachteten Mord an der Tramperin Sophia L. hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Er sei es gewesen, der die 28-Jährige vor gut einem Jahr getötet habe, ließ der 42-jährige Boujemaa L. am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth über seinen Verteidiger erklären. "Natürlich weiß er, dass er schweres Unrecht verübt hat", sagte Verteidiger Karsten Schieseck in der Erklärung.

L. entschuldige sich bei den als Nebenkläger an dem Prozess beteiligten Eltern und dem Bruder von Sophia. Diese ließen zunächst offen, wie sie das Geständnis bewerten.

Nach der von der Staatsanwaltschaft verlesenen Anklage tötete L. die Studentin, um ein Sexualdelikt zu verdecken. Er sei sexuell übergriffig gegen die junge Frau geworden und habe sich "auf unbekannte Art und Weise" an ihr vergangen, sagte Oberstaatsanwältin Sandra Staade. Weil er befürchtet habe, dass L. ihn anzeigen werde, habe er sie danach getötet.

Dieses Mordmotiv bestritt der Angeklagte in seiner Erklärung. Demnach sei der Auslöser für seine Attacke ein Streit gewesen. Er habe während einer Pause bei der Rückkehr zum Lastwagen die Studentin dabei entdeckt, wie sie das Führerhaus durchwühlt habe. Daraufhin sei er wütend geworden und habe angenommen, sie habe ihn bestehlen wollen.

Sophia aber habe ihm vorgeworfen, ihr einen Brocken Haschisch gestohlen zu haben. In dem Streit habe die junge Frau ihm mit der Hand ins Gesicht geschlagen, was sei der Auslöser dafür gewesen sei, dass er unkontrolliert mit einem Metallwerkzeug auf ihren Kopf eingeschlagen habe. Sophia habe zunächst noch gelebt. Zu einem späteren Zeitpunkt habe er dann noch einmal auf sie eingeschlagen, als sie am Boden liegend nach seinem Bein gefasst habe - dabei habe er sie tödlich verletzt.

Der Angeklagte ließ sich vom Vorsitzenden Richter Bernhard Heim umfassend zum Tathergang und zu seinem Geständnis befragen. In einem nach derzeitiger Prozessplanung im September zu erwartenden Urteil wird es darauf ankommen, ob das Gericht wie angeklagt ebenfalls die Tat als Mord bewertet und dann auf lebenslange Haft entscheidet - oder ob es womöglich auf Totschlag entscheidet, was zu einer milderen Strafe führen würde.

Nach der Schilderung des Angeklagten nahm er Sophia bei Leipzig als Anhalterin mit. Sie habe unterwegs einen Joint geraucht, die Situation sei entspannt gewesen bis zu dem Streit über den angeblichen Diebstahl.

L. machte das Tatopfer dabei direkt für seine Attacke verantwortlich. "Es war ein Fehler von ihr, dass sie mich geschlagen hat", sagte der von einem Dolmetscher übersetzte Marokkaner. Energisch bestritt er, dass er sexuell übergriffig gewesen sei. Dies seien "Unterstellungen" der Staatsanwaltschaft, er habe keinerlei Annäherung versucht.

Nach der Tat nahm der Fahrer die Leiche zunächst in seinem Lastwagen weiter auf seinem Weg in Richtung Marokko mit. In Nordspanien legte er sie schließlich ab und versuchte sie zu verbrennen. Auch seinen Lastwagen soll er zum Vernichten von Spuren in Brand gesetzt haben. L. bestritt, dass er sein Fahrzeug vorsätzlich angezündet habe. Es habe sich um einen Motorbrand gehandelt.

Der Fall sorgte auch deshalb bundesweit für Aufsehen, weil die Familie mit einem Unterstützerkreis bereits nach Sophia gesucht hatte, als die Fahndung der Polizei noch nicht richtig begonnen hatte. Die Familie wirft den Ermittlern Pannen vor. So gelang auch der Familie, den mutmaßlichen Mörder telefonisch zu erreichen, bevor ihn die Polizei festnehmen konnte.


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