18.07.2019, 11:58 Uhr

Berlin (AFP) Zahl der Schutzsuchenden steigt um sechs Prozent auf knapp 1,8 Millionen

Schild in einer Behörde. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Uli Deck (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Uli Deck)Schild in einer Behörde. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Uli Deck (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Uli Deck)

Viele von ihnen müssen Land wieder verlassen - Weniger unbearbeitete Anträge

Deutschland bleibt attraktiv als Zufluchtsort für Menschen, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen: Die Zahl der ausländischen Schutzsuchenden stieg 2018 im Jahresvergleich um sechs Prozent auf knapp 1,8 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von ihnen verfügten 1,3 Millionen Menschen über einen anerkannten humanitären Schutzstatus - bei vier von fünf von ihnen war dieser Status aber zeitlich befristet.

Die übrigen Schutzsuchenden warteten auf eine Entscheidung der Behörden oder ihr Antrag wurde bereits abgelehnt. Die Zahl von 1,8 Millionen umfasst alle in Deutschland lebenden Schutzsuchenden unabhängig vom Status ihres Antrags auf Schutz - also alle Menschen in einem laufenden oder schon rechtskräftig abgeschlossenen Schutzverfahren, unter ihnen auch abgelehnte und ausreisepflichtige Migranten und solche, deren Schutzstatus ausgelaufen ist.

Schutzsuchende sind Ausländer, die sich nach Angaben des Ausländerzentralregisters unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Als ausreisepflichtig wurden 192.000 von ihnen eingestuft, weil ihr Schutzstatus ausgelaufen oder ihr Antrag auf Schutz abgelehnt worden war. Diese Zahl lag acht Prozent über jener des Vorjahrs.

Ausreisepflicht heißt aber nicht automatisch, dass die Betroffenen Deutschland umgehend verlassen müssen: Die große Mehrheit von 81 Prozent der Ausreisepflichtigen war geduldet. Das bedeutet, dass die Abschiebung ausgesetzt war. Die meisten abgelehnten Schutzsuchenden kamen aus Afghanistan, dem Irak und Serbien.

Rund 306.000 Antragsteller warteten Ende 2018 noch auf eine Entscheidung der Behörden über ihren Schutzstatus. Dies waren 43.000 weniger als Ende 2017 und knapp 270.000 weniger als bei dem Höchststand, der sich nach den großen Flüchtlingsbewegungen Ende 2016 aufgestaut hatte. Der Grund für den Rückgang dürfte in der Abarbeitung anhängiger Asylverfahren und der weiter rückläufigen Zahl neuer Asylanträge liegen, erklärte das Bundesamt.

Insgesamt waren rund 1,3 Millionen aller Schutzsuchenden anerkannt und damit aus humanitären Gründen berechtigt, sich in Deutschland aufzuhalten. Das waren elf Prozent oder 129.000 mehr als 2017.

Die meisten kamen aus den Kriegs- und Krisenländern Syrien (526.000), Irak (138.000) und Afghanistan (131.000). Mit 79 Prozent war der Status für die allermeisten Schutzsuchenden zeitlich befristet.

Der Zuwachs der Schutzsuchenden erreichte im Jahr 2018 mit sechs Prozent in etwa den Wert des Vorjahrs, als ein Plus von fünf Prozent registriert wurde. Die Zahl scheine sich "nach den außergewöhnlich hohen Wachstumsraten zwischen 2014 und 2016 auf niedrigerem Niveau zu stabilisieren", erklärte das Bundesamt.

Die allermeisten der Schutzsuchenden - nämlich 71 Prozent - reisten seit 2014 nach Deutschland ein. Im September hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet, die in Ungarn festsaßen. In den folgenden Monaten waren hunderttausende Migranten nach Deutschland gekommen.


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