15.07.2019, 16:38 Uhr

Ankara (AFP) Türkei erinnert an Vereitelung von Putschversuch vor drei Jahren

Türkei erinnert an Putschversuch vor drei Jahren. Quelle: AFP/Archiv/GURCAN OZTURK (Foto: AFP/Archiv/GURCAN OZTURK)Türkei erinnert an Putschversuch vor drei Jahren. Quelle: AFP/Archiv/GURCAN OZTURK (Foto: AFP/Archiv/GURCAN OZTURK)

Erdogan weiht neues Polizeihauptquartier in Ankara ein

Die Türkei hat am Montag des Putschversuchs vor drei Jahren gedacht, der wesentlich zur Entfremdung vom Westen beigetragen hat. "Wir treffen Vorkehrungen um einen erneuten Verrat wie am 15. Juli zu verhindern", sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Einweihung des neuen Polizeihauptquartiers in Ankara. Später wollte er in Istanbul ein Museum zur Erinnerung an die dramatischen Ereignisse der Putschnacht eröffnen.

Erdogan kündigte an, trotz der drohenden Sanktionen der USA den umstrittenen Kauf russischer S-400-Luftabwehrraketen durchzuziehen. "Wir haben begonnen, unsere S-400 zu erhalten", sagte Erdogan. "So Gott will, werden wir einen Schlusspunkt im April 2020 setzen." Nach der Lieferung der ersten Teile des russischen Luftabwehrsystems am Freitag auf den Militärflughafen Murted, drohen der Türkei Sanktionen der USA.

Der Luftwaffenstützpunkt bei Ankara hieß früher Akinci und diente den Putschisten als Hauptquartier. In der Türkei gibt es seit langem Spekulationen, Erdogan wolle die russischen Luftabwehrraketen kaufen, um im Fall eines erneuten Militärputsches eigene Flugzeuge abschießen zu können. Bei dem Umsturzversuch vor drei Jahren hatten Kampfflugzeuge der Putschisten das Parlament und den Präsidentenpalast bombardiert.

Der Putschversuch vom 15. Juli 2016 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Türkei und prägt bis heute ihre Politik und ihr Verhältnis zu den Verbündeten. Der 15. Juli ist heute offizieller Feiertag. Erdogan nahm am Nachmittag an einem Gebet für die Opfer und einer Sondersitzung des Parlaments teil. Später weihte er die neue Polizeizentrale in Ankara ein, nachdem die Alte beim Putschversuch schwer beschädigt worden war.

Tausende Menschen versammelten sich zu der Zeremonie vor dem Gebäude. "Wir haben die Pläne der Putschisten vereitelt und werden es erneut tun, wenn notwendig", sagte eine 72-Jährige mit einer türkischen Flagge in der Hand. "Wir sind hier, um unsere Märtyrer zu ehren", sagte eine ältere Frau mit Kopftuch. "Wären sie nicht da gewesen, könnten wir heute nicht leben."

Am 15. Juli 2016 hatte ein Teil des Militär versucht, Erdogan zu stürzen und die Macht in der Türkei zu ergreifen. Bei heftigen Gefechten mit regierungstreuen Militärs und Polizisten in Ankara und Istanbul wurden 251 Menschen getötet und fast 2200 weitere verletzt. Auch dutzende Putschisten starben. Zehntausende Menschen folgten in der Nacht einem Aufruf Erdogans, sich den Putschisten auf den Straßen und Plätzen entgegenzustellen.

Noch in der Putschnacht machte Erdogan die Bewegung seines einstigen Verbündeten Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Er wirft der islamischen Bruderschaft vor, über Jahre Militär, Polizei und andere Institutionen unterwandert zu haben. Mehr als 150.000 Staatsbedienstete wurden seit dem Putschversuch entlassen und über 55.000 Verdächtige inhaftiert. Noch immer gibt es fast wöchentlich Festnahmen.

Die Türkei wirft ihren Nato-Partnern vor, sie im Stich gelassen zu haben. Ankara ist insbesondere verärgert über die Weigerung der USA, Gülen auszuliefern, der seit 1999 im US-Exil lebt. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu beantragte die Türkei am Montag von Deutschland die Auslieferung des früheren Oberst Ilhami Polat. Der mutmaßliche Putschist hat allerdings laut einem Bericht des "Spiegel" Asyl in Deutschland erhalten.


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