06.07.2019, 10:20 Uhr

Ankara (AFP) Gouverneur der türkischen Zentralbank per Präsidentendekret entlassen

Gefeuert: Zentralbank-Gouverneur Murat Cetinkaya. Quelle: AFP/BULENT KILIC (Foto: AFP/BULENT KILIC)Gefeuert: Zentralbank-Gouverneur Murat Cetinkaya. Quelle: AFP/BULENT KILIC (Foto: AFP/BULENT KILIC)

Bisheriger Vize-Gouverneur Uysal wird Nachfolger

Der Gouverneur der türkischen Zentralbank ist entlassen worden. Laut einem am Samstag veröffentlichten Präsidentendekret soll Murat Cetinkaya durch seinen bisherigen Stellvertreter Murat Uysal ersetzt werden. Ein Grund für die Absetzung des seit April 2016 amtierenden Cetinkaya wurde nicht genannt. Über eine Entlassung Cetinkayas war jedoch wiederholt spekuliert worden, weil zwischen ihm und der Regierung Uneinigkeit über die Zinspolitik herrschte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte hohe Leitzinsen wiederholt kritisiert und deren Senkung verlangt, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Er bezeichnete hohe Leitzinsen einmal als "Mutter allen Übels".

Derzeit liegt der Leitzins bei 24 Prozent. Die Zentralbank hatte ihn im September überraschend deutlich von 17,75 auf 24 Prozent angehoben, um dem dramatischen Einbruch der Währung und dem Anstieg der Inflation entgegenzutreten. Ende April kündigte Cetinkaya an, an der strikten Geldpolitik festhalten zu wollen.

Der neue Zentralbankchef Uysal kündigte an, er wolle die Instrumente der Geldpolitik weiterhin "unabhängig" nutzen. Die Sicherung der Preisstabilität werde sein "Hauptziel" bleiben, hieß es in einer Mitteilung der Zentralbank. Demnach wird Uysal, der seit Juni 2016 Vize-Gouverneur war, in den kommenden Tagen eine Pressekonferenz abhalten.

Im Juni 2019 lag die Teuerungsrate nach offiziellen Angaben bei 15,7 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Im Mai hatte die Inflation noch 18,7 Prozent betragen.

In der türkischen Bevölkerung ist der Unmut über die steigenden Lebenshaltungskosten hoch. Bei den Kommunalwahlen erlitt Erdogans AK-Partei einen herben Rückschlag, sie verlor die beiden Metropolen Ankara und Istanbul an die Opposition.


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