05.07.2019, 11:19 Uhr

Warschau (AFP) Auschwitz-Überlebende und Mengele-Opfer Eva Mozes Kor gestorben

Eva Mozes Kor während des Lüneburger NS-Prozesses. Quelle: POOL/AFP/Archiv/Julian STRATENSCHULTE (Foto: POOL/AFP/Archiv/Julian STRATENSCHULTE)Eva Mozes Kor während des Lüneburger NS-Prozesses. Quelle: POOL/AFP/Archiv/Julian STRATENSCHULTE (Foto: POOL/AFP/Archiv/Julian STRATENSCHULTE)

Versöhnungsgesten stießen bei anderen Holocaust-Überlebenden auf Kritik

Eva Mozes Kor, Auschwitz-Überlebende und Opfer des berüchtigten NS-Arztes Josef Mengele, ist gestorben. Sie starb am Donnerstag im polnischen Krakau im Alter von 85 Jahren, wie das von ihr gegründete Candles Holocaust Museum and Education Center in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana mitteilte. "Wir sind zutiefst betrübt", erklärte das Museum auf seiner Website und würdigte Kor als "Anwältin der Vergebung".

Kor starb während einer von ihrem Museum alljährlich organisierten Reise nach Polen, zu der auch ein Besuch im ehemaligen NS-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gehörte. Polens Oberrabbiner Michael Schudrich bestätigte "mit gebrochenem Herzen", dass Kor gestorben sei und in den USA beigesetzt werden solle.

Geboren am 31. Januar 1934 in Rumänien, wurde Kor als Zehnjährige 1944 mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Während ihre Eltern und zwei Schwestern in den Gaskammern der Nazis ermordet wurden, wurden Eva und ihre Zwillingsschwester Miriam vom berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele für medizinische Menschenversuche ausgewählt.

Die beiden Zwillingsschwestern überlebten die Experimente und erlebten im Januar 1945 die Befreiung des Konzentrationslagers durch die sowjetischen Truppen. Eva ging nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst nach Israel und wanderte später in die USA aus, wo sie sich der Aufklärung über den Holocaust und die Verbrechen Mengeles widmete, zugleich aber für Vergebung warb. Ihre Schwester Miriam starb 1993 an Nierenversagen, weil sich ihre Nieren nach den Experimenten in Auschwitz nie richtig entwickelt hatten.

Kor wurde 2015 auch als Zeugin im Lüneburger NS-Prozess gegen den früheren Auschwitz-Buchhalter Oskar G. befragt. Dabei berichtete sie über die Menschenversuche Mengeles, rief aber zugleich mit Gesten der Versöhnung Kritik bei anderen Nebenklägern hervor.

Kor ging im Gerichtssaal auf den 93-jährigen Angeklagten zu und reichte ihm die Hand. Ein Foto davon verbreitete sie in den Online-Diensten Facebook und Twitter. Wenige Tage später forderte sie in der ARD-Talkshow von Günter Jauch ein Ende von Anklagen wie die gegen G.. Statt dessen müsse auf Gespräche gesetzt werden.

"Erst vor fünf Tagen haben wir einen Augenzeugenbericht von Eva Kor aufgezeichnet, einer Auschwitz-Überlebenden", teilte das Auschwitz Museum am Donnerstagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen das größte Vernichtungslager der Nazis. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet, die meisten waren Juden. Auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten wurden in dem Lager ermordet, das die Rote Armee am 27. Januar 1945 befreite.


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