03.07.2019, 12:56 Uhr

Berlin (AFP) Mieten seit 2016 in großen Städten um sechs Prozent jährlich gestiegen

Wohnhäuser in Berlin . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Wolfgang Kumm (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Wolfgang Kumm)Wohnhäuser in Berlin . Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Wolfgang Kumm (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Wolfgang Kumm)

Armutsgefährdete Haushalte geben schon 43 Prozent des Einkommens für Miete aus

Die Kosten für Mieter in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zwischen 2016 bis 2018 kletterten die Mieten jährlich um fünf Prozent, wie es im Wohngeld- und Mietenbericht des Bundesbauministeriums heißt, der am Mittwoch Thema im Kabinett war. In den "Metropolkernen" der 19 größten deutschen Städte erhöhten sich die Mieten dabei sogar um rund sechs Prozent jährlich.

Es gibt große regionale Unterschiede bei den Wohnkosten. Bei Erst- und Wiedervermietungen reicht die Spannbreite laut Bericht von durchschnittlich 4,50 Euro nettokalt pro Quadratmeter im Vogtlandkreise bis zu 17,73 Euro pro Quadratmeter in der Stadt München.

Die durchschnittlichen Angebotsmieten lagen 2018 laut Bericht in den Metropolen bei 10,88 Euro pro Quadratmeter, in weiteren kreisfreien Städten und in städtischen Kreisen habe das mittlere Niveau gut drei Euro darunter gelegen. In den ländlichen Kreisen wurden Wohnungen im Schnitt für unter 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Mit steigender Miete nimmt die Belastung zu: Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 1300 Euro müssen bereits 46 Prozent ihres Einkommens für die Warmmiete ausgeben, heißt es im Bericht. Haushalte mit Einkommen von über 4500 Euro monatlich hätten dagegen "unterdurchschnittliche Anteile der Mietausgaben in Höhe von 17 Prozent". Generell müssen armutsgefährdete Mieter mit 43 Prozent einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens für die Miete ausgeben als die restlichen Haushalte, die durchschnittlich mit 25 Prozent belastet werden.

Die Regierung bekräftigt in dem Bericht, dass sie das Wohngeld für Geringverdiener erhöhen und ausweiten will. Ab 2020 sollen von dieser Wohngeldreform insgesamt rund 660.000 Haushalte profitieren. "Darunter sind rund 180.000 Haushalte, die durch die Reform einen erstmaligen oder erneuten Anspruch auf Wohngeld erhalten." 2017 lag die Zahl der Wohngeldempfänger bei 592.000 Haushalten.

Der bau- und wohnungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Föst, forderte, die "Preisspirale bei den Mieten" müsse endlich aufhören. Es sei nicht akzeptabel, dass Geringverdiener fast die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufbrauchen müssen. "Diese Bundesregierung ist plan- und hilflos bei der Aufgabe, die Wohnungsnot in Deutschland zu beenden."

Die Wohngeldreform sei nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein." Föst sprach sich für eine einfachere Baulandausweisung und Dachaufstockung, sichere Investitionsbedingungen und weniger Regulierung aus, um den Wohnungsbau anzukurbeln.

Viele dieser Maßnahmen sind Teil der Vorschläge, die die Baulandkommission der Bundesregierung am Dienstag vorgestellt hatte. Die Regierung verwies darüber hinaus auf die verschärfte Mietpreisbremse, die seit Jahresbeginn in Kraft ist. Außerdem will sie 2020 und 2021 jeweils eine Milliarde Euro für den Bau von Sozialwohnungen bereitstellen.

Der bau- und wohnungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Chris Kühn, forderte verbindliche Mietobergrenzen, die jetzt rechtlich verankert werden müssten. Die Regierung müsse zudem "endlich die Mietpreisbremse scharf stellen".

Die Regierung muss dem Bundestag alle zwei Jahre einen Bericht zu Wohngeld und Mieten vorlegen.


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