01.07.2019, 18:35 Uhr

Lübtheen (AFP) Auffrischender Wind droht Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern weiter anzufachen

Rauch über dem Waldbrandgebiet im Nordosten. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner)Rauch über dem Waldbrandgebiet im Nordosten. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Jens Büttner)

900 Menschen mussten ihre Häuser verlassen - Land fordert Hilfe vom Bund

Kampf gegen den größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns: Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Nähe von Lübtheen brannte es am Montag auf einer Fläche von rund 430 Hektar. Durch auffrischenden Wind drohten die Brandherde am Nachmittag weiter angefacht zu werden. Drei Orte wurden seit Sonntagabend evakuiert, etwa 900 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Von Entspannung könne keine Rede sein, "aber von ersten Lichtblicken", sagte der Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg, am Abend auf einer Pressekonferenz in Lübtheen. Das Feuer sei nicht unter Kontrolle, aber der Schutz der Dörfer habe bislang funktioniert. Die Einsatzkräfte seien auf die Evakuierung von zwei weiteren Ortschaften vorbereitet, auch wenn dies akut noch nicht geplant sei.

Bergungspanzer der Bundeswehr schlugen Brandschneisen rund um die bedrohten Ortschaften. Insgesamt zehn Wasserwerfer und acht Hubschrauber mehrerer Landespolizeien und der Bundeswehr sollen die Brandbekämpfer von Dienstag an unterstützen.

Die anfangs drei Brandherde dehnten sich zu einem durchgehenden langgezogenen Brandteppich mit einer Fläche von rund 430 Hektar aus. An einigen Stellen fraß sich das Feuer vom Boden in die Baumkronen, aber nicht im vom Einsatzstab befürchteten Ausmaß. Die Feuerwehrleute haben nach Angaben des Landkreises vor allem die Aufgabe, die Dörfer zu schützen. Drei Orte nördlich beziehungsweise südlich des Brandgebietes wurde seit Sonntagabend evakuiert. Insgesamt kümmern sich rund 2000 Helfer im Schichtsystem um Feuerschutz und Sicherheit, sagte Sternberg.

Wegen der im Boden lagernden Munition müssen Einsatzkräfte tausend Meter Abstand zum Brand halten. Das betreffe Löschfahrzeuge genauso wie Löschflugzeuge, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Am Montag konnte nur ein Löschpanzer sich den Bränden auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz nähern. Bedroht von dem Feuer wurde auch ein Munitionszerlegebetrieb des Munitionsbergungsdienstes auf dem ehemaligen militärischen Schießplatz. Die Flammen seien nur 50 Meter entfernt, sagte Backhaus.

Backhaus forderte Unterstützung von der Bundesregierung. "Wir brauchen Taktik und Technologie." Sonst sei das Land nicht in der Lage, ein Feuer dieses Ausmaßes "unter Kontrolle zu bringen". Der Landkreis hatte am Sonntag Katastrophenalarm ausgelöst.

Laut Backhaus handelt es sich um den größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Auch zu DDR-Zeiten habe es keinen mit ähnlichem Ausmaß gegeben. Erste Feuer waren vor sechs Tagen ausgebrochen. Sie schienen am Freitag unter Kontrolle. Die Polizei geht inzwischen von Brandstiftung aus.

Der Rauch hüllte die 25 Kilometer entfernte Stadt Ludwigslust am Vormittag unter einer Smog-Glocke ein, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Selbst bis nach Sachsen zog die Rauchwolke. Die Polizei Sachsen twitterte, dass der Nordwind den Brandgeruch bis in den rund 300 Kilometer entfernten Freistaat getragen habe. Zuvor hatte bereits die Feuerwehr in Berlin von Brandgeruch in der Hauptstadt berichtet, der ebenfalls von dem Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern herrührte.

Die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Martina Fietz, sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die besorgniserregenden Bilder zur Kenntnis genommen. Merkel danke den Einsatzkräften schon an dieser Stelle für ihr Engagement vor Ort und hoffe, dass der Brand sehr bald gelöscht werden könne.

Der Schießplatz bei Lübtheen mit einer gesamten Fläche von etwa 6000 Hektar wurde seit den 1930er Jahren genutzt. Er wurde 2015 geschlossen. Wieviel Alt-Munition im Boden lagere, konnte Backhaus nicht sagen. Tests hätten eine Belastung mit "45 Tonnen Munition" ergeben. Laut dem offiziellen Kampfmittelkataster des Bundeslandes sind 90.000 Hektar Gelände Mecklenburg-Vorpommerns mit Kampfmitteln kontaminiert. Das entspricht knapp vier Prozent der Landesfläche.


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