30.06.2019, 09:07 Uhr

Berlin (AFP) Sachsens SPD-Chef Dulig bekommt Paket mit Sturmgewehr-Attrappe ins Haus

Der sächsische SPD-Landeschef Dulig. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow)Der sächsische SPD-Landeschef Dulig. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Sebastian Willnow)

Täuschend echte Nachbildung - Maas nennt Bedrohung "abscheulich"

Der sächsische SPD-Chef Martin Dulig ist Opfer einer massiven Bedrohung geworden. Dulig erhielt Mitte Mai an seine Privatadresse ein Paket mit der Nachbildung eines Sturmgewehrs, wie der 45-Jährige am Wochenende bestätigte. Er und seine Familie seien häufiger Anfeindungen ausgesetzt, "aber das ist jetzt eine ganz andere, neue Qualität", sagte Dulig dem MDR. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte die Bedrohungen "abscheulich".

Das Paket sei auf dem Postweg an die Familie geschickt worden. "Das war ein normales Paket von einem Versandhandel, das auf unsere Adresse bestellt wurde", sagte Dulig dem MDR. "Ich selbst saß gerade im Bundesrat. Meine Frau hat mich angerufen", sagte der SPD-Politiker, der sächsischer Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident ist. Auf den ersten Blick sei nicht erkennbar gewesen, dass es keine echte Waffe war. Die Polizei habe sofort die Ermittlungen aufgenommen.

Bei der täuschend ähnlichen Nachbildung der an Dulig versandten Waffe handelt es sich nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) um einen frei verfügbaren Soft-Air-Nachbau des Sturmgewehrs G36 der Firma Heckler & Koch, mit dem auch die Bundeswehr ausgerüstet ist.

Dulig, der auch Ostbeauftragter der Bundes-SPD ist, sagte, die meisten dieser Drohungen mache er nicht öffentlich, "um den Tätern nicht auch noch die Genugtuung zu geben, dass sie mich getroffen haben". Er fügte hinzu: "Aber es ist an der Zeit, dass alle diejenigen aufstehen und sagen: Das geht nicht!"

Das seien vor allem auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die tagtäglich solchen Dingen ausgesetzt seien. "Sie sind weniger geschützt als wir als Minister", sagte er dem MDR. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das alltäglich wird. Wir sind kein Freiwild."

Das Paket mit der Sturmgewehr-Attrappe war zwei Wochen vor der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke an Dulig verschickt worden. Nach dem Tod von Lübcke hatten mehrere Kommunalpolitiker Morddrohungen erhalten, darunter die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die bereits 2015 Opfer einer rechtsradikal motivierten Gewalttat geworden war.

Außenminister Maas äußerte sich entsetzt über die Bedrohung Duligs. "Wie er und seine Familie bedroht werden, ist einfach abscheulich", schrieb er über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Dulig kämpfe "entschlossen für Demokratie", so Maas. Immer wieder trete er insbesondere Rechtsextremen "mutig entgegen".


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