28.06.2019, 20:02 Uhr

Paris (AFP) Fünf Tote bei Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa


Waldbrand in Katalonien wütet weiter

Durch die Rekord-Hitzewelle in Europa sind in den vergangenen zwei Tagen fünf Menschen ums Leben gekommen. In Frankreich, wo die Temperaturen am Freitag mit 45,9 Grad auf den höchsten dort jemals gemessenen Wert stiegen, erlitt am Freitag ein Mann einen tödlichen Schwächeanfall. Auch in Italien starb ein Mann den Hitzetod. In Katalonien wütete bereits den dritten Tag in Folge ein verheerender Waldbrand.

Die Hitzewelle trieb die Temperaturen in Frankreich auf nie dagewesene Höhen. Mit 45,9 Grad Celsius sei dort der höchste jemals gemessene Wert registriert worden, teilte das Meteorologie-Institut Météo France mit. Er wurde demnach aus Gallargues-le-Montueux im südlichen Département Gard gemeldet.

Zuvor war die 45-Grad-Marke laut Wetterdienst bereits in Villevieille überschritten worden, das ebenfalls im Département Gard liegt. Der Meteorologe François Jobard erklärte, Frankreich reihe sich damit in die Liste der europäischen Länder ein, deren Temperaturrekord bei mindestens 45 Grad Celsius liegt: Bulgarien, Portugal, Italien, Spanien, Griechenland und Nordmazedonien.

Erstmals galt für vier Départements im Süden Frankreichs, darunter auch in Gard, Alarmstufe "rot" und damit besondere Schutzmaßnahmen gegen die Hitze. Besonders alte Menschen und kleine Kinder gelten als gefährdet: Im August 2003 wurden in Frankreich rund 15.000 Todesfälle mit der Hitze in Verbindung gebracht.

In der aktuellen Hitzewelle, die große Teile Europas im Griff hat, sind bisher fünf Menschen gestorben. Am Freitag erlitt in der Nähe von Rennes im Westen Frankreichs ein 33-jähriger Dachdecker einen tödlichen Schwächeanfall, als er auf einem Dach bei 35 Grad im Schatten seiner Arbeit nachging. In Italien starb ein 60-jähriger Gerüstbauer, der einen Tag zuvor in Rimini während der Arbeit zusammengebrochen war.

Im südspanischen Andalusien erlitt am Donnerstag ein 17-jähriger Erntehelfer einen tödlichen Hitzschlag, in der Stadt Valladolid im Norden Spanien brach ein 93-jähriger Mann ebenfalls nach einem Hitzschlag auf der Straße tot zusammen. Bereits am Donnerstag war ein 72-jähriger Obdachloser in der italienischen Stadt Mailand gestorben.

Seit Tagen leiden weite Teile Spaniens unter einer für Juni unüblichen Hitze mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Nach Angaben der Wetterdienste dürfte sie bis Samstag andauern. Im Nordosten des Landes gilt bereits höchste Hitze-Warnstufe. 34 der insgesamt 50 Provinzen, darunter vor allem in Katalonien, warnen zudem vor Waldbränden.

In der südkatalanischen Provinz Tarragona versuchten hunderte Feuerwehrleute den dritten Tag in Folge, einen verheerenden Waldbrand in den Griff zu bekommen. Immer wieder angefacht von starken Winden, zerstörten die Flammen bereits mehr als 6500 Hektar Land. Dutzende Menschen, darunter auch Deutsche und Engländer, wurden in Sicherheit gebracht.

Auslöser des Brandes war offenbar eine Hühnerzucht der Gemeinde Torre del Español: Nach Angaben der Forstbehörde geriet der dort angesammelte Hühnerkot in der Hitze in Gärung und entzündete sich dabei selbst.

In Deutschland war der diesjährige Juni der wärmste und sonnigste seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen vor fast 140 Jahren. Nach einem zu nassen Mai sei der Juni zudem deutlich zu trocken ausgefallen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Mit 19,8 Grad Celsius lag der Temperaturdurchschnitt den Angaben zufolge um 0,4 Grad über dem bisherigen Temperaturrekord aus dem Jahr 2003.

Im langfristigen Vergleich habe die Durchschnittstemperatur im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990 um 4,4 Grad höher gelegen und im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 um vier Grad.

Nach einer kurzen Abkühlungsphase soll es laut DWD am Wochenende wieder heiß werden. Er rechnet für Sonntag mit bis zu 39 Grad und einer "starken Wärmebelastung". Dabei drohten insbesondere im Westen, in den Mittelgebirgen und am Alpenrand Gewitter.

Frankreichs Regierung appellierte an Autofahrer, auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Wegen hoher Ozonbelastung hatten die Behörden in Paris, Lyon und Marseille in den vergangenen Tagen Fahrverbote für die größten Dreckschleudern verhängt.


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