28.06.2019, 12:54 Uhr

Genua (AFP) Verbliebene Pfeiler von Unglücksbrücke in Genua gesprengt

Sprengung der Reste der Morandi-Brücke in Genua. Quelle: AFP/Vincenzo PINTO (Foto: AFP/Vincenzo PINTO                      )Sprengung der Reste der Morandi-Brücke in Genua. Quelle: AFP/Vincenzo PINTO (Foto: AFP/Vincenzo PINTO )

Reste der Morandi-Brücke sacken binnen Sekunden zusammen

Mehr als zehn Monate nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua mit 43 Toten sind die beiden letzten Pfeiler gesprengt worden. Die Sprengung wurde am Freitag um 09.37 Uhr im Beisein der italienischen Vize-Regierungschefs Matteo Salvini und Luigi Di Maio ausgelöst - binnen sieben Sekunden stürzten die rund 4500 Tonnen schweren Beton- und Stahlkonstruktionen in einer riesigen Staubwolke in sich zusammen.

Zahlreiche Bewohner der italienischen Hafenstadt verfolgten das Schauspiel vor Ort. Der Sprengstoff war zuvor an den Sockeln der beiden Hauptpfeiler und dem verbliebenen Teil der Brücke angebracht worden. Wasserkanonen verhinderten, dass sich der Staub auf die ganze Stadt verteilt.

Für die Sprengung mussten knapp 4000 Anwohner ihre in der Nähe gelegenen Häuser verlassen. Sie sollten noch am Abend zurückkehren können. Etwa 400 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. "Alles ist planmäßig verlaufen", freute sich Genuas Bürgermeister Marco Bucci.

Die Abrissarbeiten hatten im Februar begonnen, ein halbes Jahr nach dem verheerenden Unglück. Zuletzt blieben nur noch die beiden Hauptpfeiler als eine Art Mahnmal übrig.

Die viel befahrene, fast 1200 Meter lange Morandi-Autobahnbrücke, die auch den Ost- mit dem Westteil Genuas verband und zur Zufahrtsstrecke zum Hafen gehörte, war am 14. August im strömenden Regen auf einer Länge von 200 Metern eingestürzt. 43 Menschen kamen ums Leben, darunter vier Kinder. Dutzende Menschen wurden verletzt. Zahlreiche Anwohner mussten in der Folge ihre Häuser räumen.

Experten hatten nach dem Unglück erklärt, der Einsturz sei wegen der vielen baulichen Mängel an der Spannbetonbrücke vorhersehbar gewesen. Die italienische Justiz ermittelt in dem Fall gegen eine Reihe von Beschuldigten, darunter den Betreiber Autostrade per l'Italia (Aspi). Dieser wird über den Infrastrukturkonzern Atlantia von der Familie Benetton kontrolliert.

Nach Plänen der italienischen Regierung soll eine von Star-Architekt Renzo Piano entworfene neue Brücke schon im kommenden April für den Verkehr freigegeben werden. Deren Bau war diese Woche symbolisch begonnen worden; erste Bauelemente sollten noch am Freitag per Schiff im Hafen von Genua eintreffen.

In der Regierungskoalition ist unterdessen ein Streit um die Konzession für Atlantia offen ausgebrochen. Noch am Mittwoch bekräftigte Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung seinen Willen, in seiner Rolle als Minister für Wirtschaftliche Entwicklung dem Konzern die Konzession für den Betrieb der italienischen Autobahnen zu entziehen.

Dagegen ruderte Salvini wieder zurück: Der Innenminister der rassistischen Lega warnte nun vor "Pauschalurteilen" und wies darauf hin, dass der Konzern tausenden Menschen Arbeit gebe. Ministerpräsident Giuseppe Conte ließ daraufhin wissen, dass das Verfahren seinen Gang gehen werde: Die "schweren Versäumnisse" des Betreibers seien "objektiver Fakt", und niemand dürfe so tun, "als wäre nichts geschehen", sagte Conte während des G20-Gipfels in Osaka.


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