27.06.2019, 14:27 Uhr

Wien (AFP) Diplomat: Iran überschreitet Uran-Menge vorerst nicht

Iranische Atomanlage in Isfahan. Quelle: AFP/Archiv/ATTA KENARE (Foto: AFP/Archiv/ATTA KENARE)Iranische Atomanlage in Isfahan. Quelle: AFP/Archiv/ATTA KENARE (Foto: AFP/Archiv/ATTA KENARE)

Wiener Atomenergiebehörde überwacht Uran-Anreicherung durch Teheran

Entgegen den eigenen Ankündigungen wird der Iran nach Angaben eines Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) die zulässige Menge niedrig angereicherten Urans zunächst nicht überschreiten. "Sie werden es heute nicht überschreiten", sagte am Donnerstag ein Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte. Auch für das Wochenende sei das Überschreiten der Marke von 300 Kilogramm auf 3,67 Prozent angereicherten Urans nicht absehbar, die im internationalen Atomabkommen von 2015 festgesetzt worden war.

Möglicherweise habe die iranische Führung aus "politischen Gründen" von ihrer Ankündigung Abstand genommen, die festgesetzte Marke an diesem Donnerstag zu überschreiten, hieß es unter Hinweis auf die intensiven diplomatischen Bemühungen, eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA zu verhindern. Ursprünglich hatte der Iran Mitte Juni angekündigt, die 300-Kilogramm-Grenze am 27. Juni zu überschreiten und ab 7. Juli auch die 3,67-Prozent-Marke nicht mehr einzuhalten. Dieser Grad der Anreicherung ist noch weit von der Marke von rund 90 Prozent entfernt, die für waffenfähiges Uran erreicht werden müsste.

Mit den Ankündigungen zum schrittweisen Rückzug aus dem Atomabkommen reagierte die Führung in Teheran auf den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen vor einem Jahr. Das Atomabkommen war ursprünglich von den fünf UN-Vetomächten und Deutschland mit dem Iran geschlossen worden. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte vor dem G20-Gipfel in Japan, er werde "maximale" Anstrengungen unternehmen, um eine "militärische Eskalation" zwischen dem Iran und den USA zu verhindern.

Der iranische Vize-Außenminister Abbas Aragtschi warf den USA am Donnerstag bei einem Seminar in Wien vor, mit den von Präsident Donald Trump verhängten Sanktionen gegen sein Land einen "Wirtschaftskrieg" zu führen. Eine "Deeskalation" im aktuellen Konflikt könne es nicht geben, solange in dem Wirtschaftskrieg keine "Feuerpause" eingetreten sein, fügte Aragtschi hinzu.

Der iranische Vize-Außenminister nimmt am Freitag in Wien an einem Treffen von Unterzeichnerstaaten des Atomabkommens teil, bei dem unter dem Vorsitz der Europäischen Union auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland vertreten sein werden.


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