27.06.2019, 09:55 Uhr

Dresden (AFP) Verdächtiger in Deutschland wegen Beteiligung an Bataclan-Anschlag festgenommen

Gedenken vor dem Konzertsaal Bataclan. Quelle: POOL/AFP/Archiv/BENOIT TESSIER (Foto: POOL/AFP/Archiv/BENOIT TESSIER)Gedenken vor dem Konzertsaal Bataclan. Quelle: POOL/AFP/Archiv/BENOIT TESSIER (Foto: POOL/AFP/Archiv/BENOIT TESSIER)

39-jähriger Bosnier sitzt in Sachsen-Anhalt in Auslieferungshaft

Mehr als dreieinhalb Jahre nach den Terroranschlägen von Paris ist in Sachsen-Anhalt ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Der mit Europäischem Haftbefehl gesuchte 39-jährige Bosnier wurde vor einer Woche in Bad-Dürrenberg gefasst, wie die Staatsanwaltschaft Dresden am Donnerstag mitteilte. Er steht im Verdacht, im November 2015 an dem Anschlag auf die Pariser Konzerthalle Bataclan beteiligt gewesen zu sein.

Mehrere Angreifer hatten am 13. November 2015 in Paris das Fußballstadion Stade de France, das Bataclan und mehrere Restaurants überfallen und dabei 130 Menschen getötet sowie mehr als 350 verletzt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekannte sich zu den Angriffen. Die Anschläge sind die schwersten, die je auf französischem Boden verübt wurden. Die Ermittlungen haben seitdem eine dschihadistische Zelle mit Verzweigungen in mehreren Ländern, hauptsächlich in Belgien, zutage gebracht.

Gegen den verhafteten Bosnier liegt ein Europäischer Haftbefehl der belgischen Behörden wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor. Belgien und Frankreich hatten nach den Anschlägen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gegründet.

Der Terrorverdächtige wurde nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft in der Nacht zum 20. Juni von Spezialkräften des Bundeskriminalamts (BKA) in Bad-Dürrenberg westlich von Leipzig festgenommen. Er wurde dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Merseburg vorgeführt und befindet sich derzeit in vorläufiger Auslieferungshaft. Die Generalstaatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt prüft seine Auslieferung nach Belgien.

Der Tatverdächtige geriet im Zuge eines Verfahrens der Dresdner Staatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts (BKA) gegen zwei Bosnier wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ins Visier der Ermittler. Die beiden Männer waren im Februar festgenommen worden, nachdem bei einer Kontrolle der Bundespolizei am Dresdner Hauptbahnhof in ihrem Auto mehr als ein Dutzend Handgranaten gefunden wurden.

Im Zuge der Ermittlungen gegen die beiden Männer seien die Behörden auf den nun festgenommenen Bosnier gestoßen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dresden sagte. Kriegswaffen oder andere verbotenen Gegenstände seien bei dem Mann nicht gefunden worden, so dass die Dresdner Behörde auch keinen eigenen Haftbefehl beantragen konnte. Deshalb wurde nun der Europäische Haftbefehl vollstreckt. Im Falle der beiden im Februar verhafteten Bosnier gibt es demnach keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung an den Paris-Anschlägen.

Weitere Details zu dem 39-jährigen Terrorverdächtigen und den Umständen seiner Festnahme nannte die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.


0 Kommentare